IGL-Mitglied Burkhard H. fragt: Ich bin 56 Jahre und trainiere/starte
seit dem Winterhalbjahr 2006/07 über Strecken zwischen 60 - 800 m,
in jüngster Zeit fast nur noch im Sprintbereich (100 m). Jetzt registriere
ich seit ca. 4 Wochen Schmerzen im Achillessehnenbereich. Das Schmerzzentrum
liegt im unteren Drittel, linksbetont. Meine bisherigen therapeutischen
Bemühungen bezogen sich auf Eis-Kompressen, leichte Massage, Dehnen,
DOLGIT-Schmerzgel, Tragen der Massai-Schuhe bei gleichzeitig reduzierter
Trainingsintensität. Was empfehlen Sie an weiteren Behandlungsmethoden?
Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Zunächst
einmal gilt es sich bei Ihnen um die gezielte Ursachenforschung zu kümmern,
bevor eine Therapie wirksam werden kann. Perspektivisch muss dabei in
erster Linie verhindert werden, dass der Überlastungs-/Entzündungsprozess
vom Sehnen-Gleitlager auf das eigentliche Sehnengewebe übergreift.
Erhöht sich doch in diesem Fall die Rupturgefahr drastisch.
Üblicherweise
differenziert man Achillessehnenbeschwerden nach 6 orthopädischen
Ursachenfeldern:
- Trainingsfehler
(forciertes Training in hügeligem Gelände, häufiges und
steiles Bergauflaufen oder Spikes-Training mit reaktivem Vorfußballen-Laufen,
schnelles & häufiges Bergablaufen),
- Schuhfehler
(massiver Druck der Fersenkappen bei neuen oder zu engen Schuhen, labile
Fersenkappen mit schlechtem Fersenhalt bei alten oder qualitativ schlechten
Schuhen, wiederholte Erniedrigung/Absenkung des Rückfußes
durch Spikes-Training),
- Belastender
Untergrund (Kunststoff-Belege, Asphalt- bzw. Zementböden),
- Muskulär
bedingt (mangelnde Flexibilität der Wadenmuskulatur sowie der
rückwärtigen Oberschenkel-Muskulatur),
- Fußstatik-bedingt
(Sprunggelenk-Instabilität durch Bandschwäche, z.B. nach wiederholtem
"Umknicken", weitere Risikofaktoren wären dann auch angeborener
Hohl-Knickfuß oder Vorfuß-Varus, was jeweils ein unphysiologisches
Überaußenrand-Laufen in der Abrollphase provoziert),
- Überbein
(Haglund-Exostose) am Fersenbein, was relativ einfach mittels Röntgenbild
diagnostizierbar ist.
Jetzt zu meinen Therapievorschlägen:
Bei Ihrer Trainingsanamnese und ohne, dass ich jetzt mögliche Vorschäden
am Sprunggelenk bei Ihnen ausschließen kann, sind sicherlich die
Faktoren Kunststoffbahn plus regelmäßiges Spikes-Training die
ursächlich entscheidenden Faktoren bei Ihrem spezifischen Läuferproblem.
Hinzu kommt Ihr Alter, wo ja nun einmal zwangsläufig die Regenerationsdauer
verlängert und damit die Belastbarkeit von Sehnenstrukturen entsprechend
reduziert sind. Was gilt daher in Ihrem Fall zu tun:
- Trainingspause
bzgl. Bahn- & Spikes-Training für ca. 8 Wochen,
- videogestützte
Laufanalyse (zur Klarlegung evtl. Fußstatik-Defizite wie Hohl-Knick-Fuß
oder Vorfuß-Varus, was dann über Einlagen korrigiert werden
müsste)
- regelmäßig
Aqua-Jogging, so bleiben sie sportartspezifisch drin,
- manuelle Therapie
zur gezielten Lockerung der rückwärtigen Unter- & Oberschenkel,
- Alkohol-Verzicht
für 8 Wochen, 3 x pro Woche Bromelain-Fruchtcocktail aus frischen
exotischen Früchten (Baby-Ananas, Mango, Guave, Papaya, Litchi,
Maracuja)
- lokal
über Nacht: Ichtholan® 50%-Salbe in Kombination mit Ibutop-Creme,
luftdurchlässiger(!) Verband, morgens wieder abspülen für
14 Tage,
- Medikation
zum Schlucken:
- Bromelain POS®
Tbl. (3 x 3) für 14 Tage, jeweils ca. 10 Min. vor dem Essen,
- Deltaran 400®
Tbl. (2 x 1) für 1 Woche, jeweils nach dem Essen, sofern Sie keinen
empfindlichen Magen haben,
- Biomol Cardiofit®
Omega-3-Pulver, das hochdosiert entzündungshemmende langkettige
Omega-3-Fettsäuren enthält und wohlschmeckend mit Ananas-Geschmack
versehen ist; hier nehmen Sie für 3 Monate täglich 2 x 1 Messlöffel,
am besten in Milch oder Ananas-Joghurt (ein Gedicht). Danach sollten
Sie zum regelmäßigen Fischesser mutieren, d.h. mindestens
1 x pro Woche fetter Seefisch aus kalten Gewässern.
- Wichtig:
Der MBT-Schuh ist sicherlich bei Ihrer Problematik ein guter
und wichtiger Therapie-Baustein, aber natürlich nur im Kontext
mit den anderen angeführten Maßnahmen wirklich effizient
und hilfreich.
Nach 2 -3 Wochen,
wenn Ihr Beschwerdebild abgeklungen sein sollte, können Sie wieder
einen Trabversuch starten und zwar mit optimal passenden Laufschuhen,
die maximal 400 - 500 km in den Sohlen haben dürfen, möglichst
Waldboden ohne erhebliche Steigungen. Bzgl. der Frage eines wieder Zurückkehrens
auf die Bahn plus Spikes wage ich mich derzeit noch nicht festzulegen.
Sollte Ihr Problem bereits die Achillessehne direkt erfasst haben, sehe
ich diesbezüglich schwarz. Über möglicherweise bereits
vorhandene Achillessehnen-Schäden gibt übrigens nur eine Kernspin-Untersuchung
(= MRT) exakte Auskunft.
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