Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Laufen und Antibiose"

 

IGL-Mitglied Sandra W. fragt: Gestern erfuhr ich von meinem Zahnarzt, dass sich bei mir neuerlich eine Mundfistel gebildet hat, nachdem schon im Juli diesen Jahres der Versuch gestartet worden war, diese über Anbohrung eines Zahnes zu entfernen. Die neue Fistel hat sich nun glücklicherweise bereits nach außen entleert. Allerdings besteht im Mundraum nach wie vor noch eine bakterielle Entzündung. Mein Problem: Morgen fliege ich nach Ägypten zum Tauchen und will anschließend an einem Marathon teilnehmen. Eine OP in nächster Zeit ist somit nicht möglich. Ich nehme nun für die nächsten 7 Tage Penicillin nach Vorschrift. Die logische Frage, die sich mir aufdrängt: Wie soll ich mich in naher Zukunft sportlich verhalten? Ich habe allerdings keinerlei Schmerzen oder Infekt-Symptome. Mein Zahnarzt war sich nicht sicher. Meinte aber, eine extreme sportliche Belastung, wie von mir angestrebt, sei bei einer derartigen gesundheitlichen Situation nicht unbedingt optimal.

Sportmediziner Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Grundsätzlich sei für den Bereich Wettkampfsport folgendes ungeschriebenes Gesetz vorausgeschickt: Bei Fieber sind jegliche sportliche Aktivitäten und natürlich jeglicher Wettkampfsport ärztlich untersagt. Fieber bedeutet dabei, dass die Körpertemperatur über 38 ° C liegt. Auch bis zu 10 Tage nach Abfall des Fiebers gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen. Weiterhin sollten Sie wegen der Einnahme des Antibiotikums Folgendes beachten: Jedes Antibiotikum schädigt, zumindest zu einem gewissen Prozentsatz, die körpereigene Bakterienflora im unteren Dünndarm sowie im gesamten Dickdarm. Wie der griechische Name schon beschreibt "anti bios", also gegen das Leben gerichtet. Entsprechend ist Ihr Darm als wichtigstes Abwehrorgan des Körpers zumindest teilweise lahm gelegt. Eine Problematik, die gerade auch beim Ausdauersport Laufen von besonderer Bedeutung ist. Wird doch die Darm-Durchblutung unter den sportartspezifischen Belastungsbedingungen gedrosselt und zugunsten der Muskulatur umverteilt, was die wichtige Abwehrfunktion des Darms zusätzlich limitiert. Somit sind Sie zum einen durch den gerade überstandenen oder evtl. sogar noch leicht schwelenden Infekt immunologisch geschwächt, zum anderen ist der Abwehrwall im Darm durch die Antibiotikum-Einnahme nicht optimal funktionstüchtig. Summa summarum also keine guten gesundheitlichen Voraussetzungen für einen guten Rennverlauf, speziell in der Nachbelastungsphase. Daher mein sportmedizinischer Rat: Auf keinen Fall einen Marathon laufen, sondern in Ruhe den Infekt auskurieren. Abschließend noch ein wichtiger ernährungsbezogener Tipp: Essen Sie in den nächsten 8 - 10 Tagen täglich reichlich naturbelassenen Joghurt, d.h. nicht erhitzt, ohne Farb- und Konservierungsstoffe sowie ohne Gelatine. Da werden Sie in Ägypten sicherlich keine Probleme haben, beim Joghurt hochwertige Ware vorgesetzt zu bekommen. Für Deutschland empfehle ich hier immer das Marken-Produkt Heirler (aus dem Reformhaus). Dieses Naturprodukt wird dank seines Reichtums an Laktobakterien und Bifidus-Keimen Ihrer Darmflora wieder ganz schnell auf die Beine helfen. Zusätzlich sollten Sie wissen, dass auch Ihr Tauchurlaub (Sie ließen offen, ob Schnorchler oder Flaschentauchen), zumal in Ägypten mit seinen nicht am hiesigen Standard messbaren hygienischen Rahmenbedingungen und bei Ihren gesundheitlichen Voraussetzungen, nicht ohne weiteres gut geheißen werden kann. Zum einen bedeuten Tauchgänge mit Flasche ein großes Austrocknungsproblem der Schleimhäute, was die Infektanfälligkeit automatisch erhöht. Von dem erhöhten Anfall an Stress-bedingten Sauerstoffradikalen ganz zu schweigen, was Sie auch nicht unbedingt gesünder macht. Zu überlegen wäre daher, ob Sie sich nicht kurzfristig vor der Abreise, z.B. in der Flughafen-Apotheke, wenn's nicht mehr anders geht, mit einem Apotheken-pflichtigen Orthomol-Präparat versorgen (Orthomol Immun® oder Orthomol Immun pro®, beides als Granulat erhältlich), das Sie dann gemäß Vorgabe für 1 Monat als Minimum einnehmen sollten. Übrigens: Hätte sich die Fistel nicht nach außen geöffnet, dürften Sie aus meiner Sicht überhaupt nicht mit Flasche tauchen, um Gasansammlungen in der krankhaften Kaverne mit all ihren negativen Konsequenzen zu vermeiden. Also übertreiben Sie es nicht, kurieren Sie das noch schwelende Mundhöhlenproblem sorgfältig und komplett aus und vergessen ihren geplanten Marathon.
Alles Gute wünscht Ihnen


Ihr Dr. Ziegler

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