Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 

Leser-Forum: "Laufen und Asthma"

 

IGL-Mitglied Jeanette L. fragt: Innerhalb der letzten zwei Jahre habe ich mich kontinuierlich vom Nullsportler zur Marathonläuferin entwickelt. Bin letztes Jahr bereits mehrere Wettkämpfe gelaufen, zum Abschluss der Saison im November sogar meinen ersten Marathon. In diesem Jahr konnte ich bereits wieder eine weitere läuferische Steigerung registrieren, bis ich vor zwei Wochen meinen ersten Asthma-Anfall erlitt. Mein behandelnder Arzt stellte allergisches Asthma fest, Grad 4. Meine Lungenfunktionstests verliefen nach Behandlung der Akutsymptomatik eigentlich sehr gut. Bin allerdings entsprechend medikamentös eingestellt, inklusive Bronchien-Erweiterer und Notfallspray. Meine Verunsicherung ist groß, wie ich mich bzgl. meines weiteren Trainings verhalten sollte. Möchte natürlich auch gern wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Rückblickend litt ich übrigens bereits als Kind an Heuschnupfen, ohne größere Restbeschwerden in letzter Zeit. Habe meine Ernährung mittlerweile umgestellt auf viel Salat, Müsli, dunkles Brot, wenig Fett, wenig Fleisch und etwas Fisch. Wie sieht Ihr sportmedizinischer Rat für mich aus ?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Zunächst einmal kann ich Sie dahin gehend beruhigen, dass während moderater sportlicher Aktivität im aeroben Bereich (!) die Gefahr eines akuten Asthma-Anfalles geringer ist als unter üblichen Alltagsbedingungen oder nach Beendigung der Belastung. Grund: Die unter Belastung ausgeschütteten Stresshormone sorgen in Verbindung mit dem aktivierten Stress-Nervensystem (Sympathicus) dafür, dass Ihr Bronchialsystem bedarfsgerecht weit bzw. weiter gestellt wird. So wird seitens unseres Organismus gezielt dem unter körperlicher Aktivität automatisch erhöhten Sauerstoffbedarf und auch dem verstärkten Gasaustausch in den Lungenbläschen (Alveolen) Rechnung getragen. Davon zu unterscheiden sind hoch intensive Belastungen, bei denen die hohe psychische Einbindung wiederum bahnend in Richtung Anfallsauslösung wirken kann. Natürlich wäre es bei Ihnen als erstem diagnostischen Schritt unerlässlich, mittels Hauttest Näheres über die Qualität Ihrer Allergie (Hausstaub-Milben, Pollen etc.) zu erfahren. Sollte es sich bei Ihnen um eine Pollen-Allergie handeln, wovon ich bei Ihrer Heuschnupfen-Anamnese ausgehe, bieten sich während der für Sie relevanten Pollenzeit (Früh- oder Spätblütler?) zunächst folgende allgemeine Maßnahmen an:

  • In der betreffenden Pollenzeit mit geschlossenen Fenstern schlafen.

  • Bei Sonne (vermehrter Pollenflug) Türen und Fenster geschlossen halten.

  • Nur am frühen Morgen, bei Regen oder bei feucht-diesigem Wetter lüften. Auch Ihr Lauftraining sollten Sie in diese Zeit legen (niemals Ihr Notfall-Spray vergessen, schafft auch emotionale Sicherheit).

  • Keine längeren Aufenthalte tagsüber im Freien während der betreffenden Pollenzeit.

  • (Trainings)-Urlaub während der Pollenzeit am Meer oder im Gebirge verbringen.

  • Jeden Abend vor dem zu Bett Gehen die Haare waschen.

  • Die Kleidung vom Tag nicht im Schlafzimmer ausziehen oder aufbewahren.

  • Klima-Anlage mit Pollenfilter im Auto anschalten, andernfalls Lüftung immer ausschalten (Umluft-Aktivierung okay !) und Fenster geschlossen halten.

An spezifischen ernährungsbezogenen und medikamentösen Maßnahmen schlage ich Ihnen vor:

  • Ernährungsbezogen kundige Mediziner wissen längst, dass die übliche Zivilisationskost leider gekennzeichnet ist durch einen ungünstig hohes Verhältnis zwischen sogenannten Omega-6-Fettsäuren (wirken entzündungsfördernd !) und Omega-3-Fettsäuren, die als anti-entzündliche Gegenspieler wirken. Gemäß der Urkost, auf die wir genetisch nach wie vor ausgerichtet sind, benötigten wir eine Relation von 2 - 3 : 1 zugunsten der Omega-6-Fettsäuren. Aktuell liegt aber das Verhältnis meist bei 20 bis 25 : 1, deutsche Durchschnittskost unterstellt. Speziell während „Ihrer Pollenzeit“ sollten Sie daher wie folgt verfahren:

    1. Drastische Reduzierung des Konsums von Getreideprodukten wie Brot, Brötchen, Gebäck, Kuchen, Nudeln etc., da speziell Getreide besonders reich ist an Omega-6-Fettsäuren. Sagen Sie daher auch Ihrem geliebten Müsli lebe wohl, zumindest temporär und ersetzen es beispielsweise durch Weizenkeime oder Soja- und Amaranth-Produkte, die auch als Brot, Flocken, Nudeln, Gebäck etc. angeboten werden. Diese Produkte sind problemlos in jedem Bioladen oder Reformhaus erhältlich. Kurz noch zur Erklärung: Bei Amaranth handelt es sich um ein sogenanntes Fuchsschwanzgewächs, das sich durch einen wünschenswert hohen Gehalt an Eiweiß, Magnesium, kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren sowie auch an Vitamin E (wirkt ebenfalls anti-entzündlich) auszeichnet.

    2. Milch, Milchprodukte (Butter, Käse etc.), Eier & Fleisch möglichst nur von Bio-Bauern, von denen sicher ist, dass deren Milch- und Schlachttiere sowie Geflügel schwerpunktmäßig mit Grünfutter oder Silage und eben nicht mit Getreide (Weizen, Mais etc.) mit seinem hohen Omega-6-Fettsäurengehalt gefüttert werden.

    3. Zum Braten & Backen generell nur Oliven- oder Raps-Öl verwenden, für kalte Speisen und Salate bieten sich zusätzlich Mandel-, Haselnuss- oder Lein-Öl an. In der Allergiker-Küche bzw. in der Küche eines jeden Gesundheitsbewussten haben Sonnenblumen-, Distel-, Maiskeim-, Soja-, Traubenkern-, Kürbiskern-, Walnuss- und Weizenkeim-Öl wg. ihres hohen Omega-6-Gehalts nichts verloren. Besonders reich an kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren sind alle grünen Blattgemüse und Salate, Nüsse (natürlich auch Erdnüsse, obwohl ja bekanntlich keine Nuss, sondern Hülsenfrucht). Reich an langkettigen Omega-3-Fettsäuren sind bestimmte Fischsorten ("fette" Fische) der Arktis und Antarktis wie Wildlachs (NICHT Zuchtlachs), Hering, Makrele, Sardine oder Thunfisch. Für Sie als Allergiker wäre es top, wenn Sie pro Woche auf 2 Fischportionen à 300 Gramm kämen. Andernfalls empfehle ich ein wohlschmeckendes Fischöl-Pulver (Biomol Omega-3®Pulver, alternativ in den Geschmacksvarianten Ananas, Walnuss oder Milchkaffee). Sinnvolle Dosierungsvorgabe: Zur schnellstmöglichen Aufsättigung Ihrer Zellmembranen zunächst für 1 Monat 2 Messbecher pro Tag, jeweils zu den Mahlzeiten & in Flüssigkeit eingerührt, danach als Dauertherapie pro Tag 1 Messbecher, zumindest während Ihrer Pollensaison.

    4. Zur definitiven Pollenallergie- und Asthma-Prophylaxe bieten sich verschiedene bewährte Medikamente an:

      • Sogenannte Anthistaminika, wobei die neue Generation dieser Medikamente kaum oder gar nicht mehr müde macht. Ich empfehle hier meinen Sportlern das Präparat Ebastel® (Tabletten), falls indiziert.

      • Zur gezielten und initialen Verhütung der gefürchteten Entzündungskaskade beim Asthma haben sich 2 Präparate einen Namen gemacht, einmal die Cromoglicinsäure sowie der moderne Leukotrien-Antagonist Montelukast (Singulair®).

      • Sie haben ja bereits von Ihrem Arzt neben einem Notfall-Medikament ein Präparat bekommen (ein sogenanntes β2-Mimetikum), das eine Verengung Ihrer Bronchien verhindern soll, was ja bekanntlich mit das gefürchtete Symptom des akuten Asthma-Anfalls darstellt. Je nach Trainingslänge sollten Sie hier genau auf die Wirkdauer Ihres Bronchien-Erweiterers achten, um unliebsame Überraschungen nach Trainingsende zu vermeiden, wie oben beschrieben.

Es empfiehlt sich, speziell Ihren Medikamentenplan sorgfältig mit dem behandelnden Arzt durchzusprechen und abzustimmen. Meine Überlegungen können nur als Anregungen verstanden werden. Entscheidend für Ihre Gesundheit und die gewünschte sportliche Entwicklung ist es, trainingsmethodisch sinnvoll, unter bewusster Vermeidung von intensiven Einheiten, über Ihre kritische Pollenzeit hinwegkommen, um dann Ihre Wettkampfplanung auf die pollenfreie Zeit auszurichten. Bzgl. Ihrer definitiven Wettkampfeignung hat natürlich immer Ihr behandelnder Arzt das letzte Wort, wobei die Person Ihres Vertrauens selbstverständlich über entsprechende sportmedizinische Erfahrungen verfügen sollte.

Ja, dann gutes Gelingen bei Ihrem Wettstreit kontra diesem unangenehmen Krankheitsbild !

Herzliche Grüße
Ihr Dr. Ziegler

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