Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Laufen und Atemprobleme"

 

IGL-Mitglied Jörg Sch. fragt: Ich laufe (jogge) aktiv seit ca. 6 Jahren (Jahrgang '56) und nehme 1 bis 2mal/Jahr an Laufveranstaltungen teil. Anfangs Halbmarathon-Läufe, 2005 erster Marathon. Im Winter 2005/06 habe ich lediglich 1 - 2 Mal wöchentlich kurze Läufe gemacht, mein Training im Frühjahr aber gesteigert und mich in den Monaten April und Mai strikt einen Trainingsplan befolgt, der mir erlaubte, im Juni am 100 km-Lauf in Biel teilzunehmen (gefinisht mit 10:07 h). Mir ging es hinterher echt gut. Da ich die vier Wochen nach diesem Lauf sehr viel in der Landwirtschaft zu tun hatte, konnte ich nicht mehr groß trainieren und musste mein Lauftraining quasi abrupt beenden. Mitte Juli bekam ich plötzlich Atemprobleme und zwar nur im Liegen und nur nachts. Beim Schlafen verstopften meine Bronchien wie bei einem Asthmatiker. Im August war ich drei Wochen am Mittelmeer, in der Hoffnung auf Besserung wegen der reinen Meeresluft, aber weit gefehlt. Nach zwei schlaflosen Nächten mit Atemproblemen ging ich zum Arzt, der mir ein Atemspray verordnete, das mir sofort geholfen hat. Nach diesem Urlaub habe ich versucht, meine Atemprobleme durch leichtes Lauftraining selbst in den Griff zu bekommen. Dabei konnte ich meine Bronchien über einen extrem langsamen Start in den ersten 5 km quasi frei atmen. Bei regelmäßigem Training (mind. 3x/Woche) bin ich jetzt nahezu beschwerdefrei. Wie ist Ihre Sicht der Dinge und könnte ein ursächlicher Zusammenhang zu meinem plötzlichen Trainingsstopp nach dem 100 km-Lauf in Biel bestehen?

Sportmediziner Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Ein ganz wichtiger Hinweis aus meinem mittlerweile über 30-jährigen ärztlichen Erfahrungsschatz gleich zu Anfang: Bevor Sie sich gedanklich-emotional auf eine wie auch immer geartete Allergie-Schiene einschießen bzw. fixiert werden, sollten Sie diagnostisch als aller erstes auf alle Fälle einen sogenannten Reflux im Magenbereich ausschließen lassen. Wie das? - Nun, Sie sind ja nun einmal nicht mehr ganz taufrisch und hatten bis dato nie ein allergisches Problem. Ihre doch recht intensiven Trainingsbemühungen mit automatisch einhergehenden erheblichen vertikalen Beanspruchungen könnten evtl. zu einer "Undichtigkeit" beim Übergang von der Speiseröhre in den Mageneingang geführt haben (z.B. durch einen kleinen Zwerchfellbruch). Dies lässt sich per Magenspiegelung einfach feststellen. Dazu würde ich Ihnen auf alle Fälle raten, zumal Ihre Symptomatik ja nur nachts begann, also, wenn Sie in der Horizontalen liegen, wo Magensaft/Mageninhalt über die Speiseröhre in die Luftröhre/Bronchien gelangen kann (stille Aspiration), um dann die geschilderte Symptomatik auszulösen. Wenn sich hier nichts ergibt, muss man die Allergie-Kiste weiter verfolgen. Denn Sie arbeiten ja in der Landwirtschaft, wie Ihren Ausführungen zu entnehmen war, haben den entsprechend engen Kontakt zu Tieren und der freien Natur. Daher wäre als 2. Schritt ein Allergietest angezeigt, um hier gezielt und Allergie-bezogen Klarheit zu schaffen. Sollte sich dann der Allergie-verdacht (z.B. Tierhaare, Blütenpollen etc.) bestätigen, wäre folgende Strategie vorbeugend sinnvoll und damit zielführend im Hinblick auf Symptomatik-Verbesserung:

  • Jeden Abend vor dem zu Bett gehen die Haare waschen.
  • Die Kleidung vom Tag nicht im Schlafzimmer ausziehen oder aufbewahren.
  • In der betreffenden Pollenzeit mit geschlossenen Fenstern schlafen.
  • Bei Sonne (vermehrter Pollenflug) Türen und Fenster geschlossen halten.
  • Nur am frühen Morgen, bei Regen oder bei feucht-diesigem Wetter lüften.
  • Auch Ihr Lauftraining sollten Sie in diese Zeit legen (evtl. Ihr Asthma-Spray mitnehmen, schafft auch emotionale Sicherheit).
  • Keine längeren Aufenthalte tagsüber im Freien während der betreffenden Pollenzeit.
  • (Trainings)-Urlaub während der Pollenzeit am Meer oder im Gebirge verbringen.
  • Klima-Anlage mit Pollenfilter im Auto anschalten, andernfalls Lüftung immer ausschalten (Umluft-Aktivierung okay !) und Autofenster geschlossen halten.

Zusätzlich wären auch diese ernährungsbezogenen Maßnahmen für Sie dann optimal und hilfreich, denn ernährungsbezogen kundige Mediziner wissen nun einmal längst, dass die übliche Zivilisations-Kost leider gekennzeichnet ist durch eine ungünstig hohe Relation zwischen den sogenannten langkettigen Omega-6-Fettsäuren (wirken entzündungsfördernd !) und den langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die im Körper als anti-entzündliche Gegenspieler wirken. Gemäß der Urkost, auf die wir genetisch nach wie vor ausgerichtet sind, benötigten wir dabei eine Relation von 2 - 3 : 1 zugunsten der Omega-6-Fettsäuren, um alles u.a. entzündungsbezogen im Lot zu belassen. Aktuell liegt aber das angegessene Verhältnis oftmals bei sage und schreibe 20 bis 25 : 1, die in den meisten deutschen Haushalten auf den Tisch gebrachte Durchschnittskost unterstellt. Speziell während der evtl. für Sie relevanten Pollenzeit (gemäß des Allergietests) sollten Sie dann wie folgt verfahren:

  1. Drastische Reduzierung des Konsums von Getreideprodukten wie Brot, Brötchen, Gebäck, Kuchen, Nudeln etc., da speziell Getreide besonders reich ist an Omega-6-Fettsäuren. Sagen Sie daher auch Ihrem geliebten Müsli lebe wohl, zumindest temporär und ersetzen es beispielsweise durch Weizenkeime oder Soja- und Amaranth-Produkte, die auch als Brot, Flocken, Nudeln, Gebäck etc. angeboten werden. Diese Produkte sind problemlos in jedem Bioladen oder Reformhaus erhältlich. Kurz noch zur Erklärung: Bei Amaranth handelt es sich um ein sogenanntes Fuchsschwanzgewächs, das sich durch einen wünschenswert hohen Gehalt an Eiweiß, Magnesium, kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren sowie auch an Vitamin E (wirkt ebenfalls anti-entzündlich) auszeichnet.
  2. Milch, Milchprodukte (Butter, Käse etc.), Eier und Fleisch möglichst nur von Bio-Bauern, von denen sicher ist, dass deren Milch- und Schlachttiere sowie Geflügel schwerpunktmäßig mit Grünfutter oder Silage und eben nicht mit Getreide (Weizen, Mais etc.) mit seinem hohen Omega-6-Fettsäurengehalt gefüttert werden.
  3. Zum Braten und Backen generell nur Oliven- oder Raps-Öl verwenden, für kalte Speisen und Salate bieten sich zusätzlich Walnuss- oder Lein-Öl an. In der Allergiker-Küche bzw. in der Küche eines jeden Gesundheitsbewussten haben Sonnenblumen-, Distel-, Maiskeim-, Soja-, Traubenkern-, Kürbiskern- und Weizenkeim-Öl wg. ihres hohen Omega-6-Gehalts nichts verloren.
  4. Besonders reich an kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren sind alle grünen Blattgemüse und Salate, Nüsse (natürlich auch Erdnüsse, obwohl ja bekanntlich keine Nuss, sondern Hülsenfrucht).
  5. Reich an langkettigen Omega-3-Fettsäuren sind bestimmte Fischsorten ("fette" Fische) der Arktis und Antarktis wie Wildlachs (nicht Zuchtlachs), Hering, Makrele, Sardine oder Thunfisch. Für Sie wäre es topp, wenn Sie pro Woche auf 2 Fisch-Portionen à 300 Gramm kämen. Andernfalls empfehle ich ein wohlschmeckendes Fischöl-Pulver mit Ananas- oder Nuss-Karamel-Geschmack (Cardiofit® oder Biomol Omega-3 Power®). Sinnvolle Dosierungsvorgabe: Zur schnellen Aufsättigung Ihrer Zellmembranen zunächst für 1 Monat 3 Messbecher pro Tag, jeweils zu den Mahlzeiten und in Flüssigkeit eingerührt, danach als Dauergabe pro Tag 1 Messbecher, ggf. zumindest während Ihrer evtl. eruierten Pollensaison.

Ja, dann mal ran an den "diagnostischen Speck" und alles Gute!!
Ihr

Dr. Ziegler

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