Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Laufen und Bandscheibe"

IGL-Mitglied Petra A. fragt:
Seit einigen Monaten absolviere ich, 41 Jahre, 1.80 m, 70 kg ein Marathontraining für Einsteiger. Ein kontinuierliches Lauftraining von ca. 30 - 40 km/Woche betreibe ich schon seit mehreren Jahren. Vor ca. drei Wochen wurde bei mir ein doppelter Bandscheibenvorfall im Lendenbereich diagnostiziert. Nach kurzer Laufpause habe ich nun wieder mit leichtem Training angefangen, verspürte aber direkt nach dem Lauftraining Schmerzen im Gesäß, in der Leiste und teilweise auch im Schienbeinbereich. Eine manuelle Therapie beim Krankengymnasten wird absolviert. Würden Sie mir von einem nicht leistungsorientierten Marathonlauf in einigen Monaten abraten bzw. welche Komplikationen könnten auftreten?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Aus meiner langjährigen sportmedizinischen und laufsportspezifischen Erfahrung heraus möchte ich Ihnen auf jeden Fall von einer Teilnahme an einem Marathon abraten, da gerade bei jüngeren Menschen die Rezidiv-Gefahr, also das Auftreten eines weiteren Bandscheibenvorfalls, nicht gering ist, wenn man zu früh die Vertikalbelastung hochfährt.

Kurz noch ein paar Tipps zum m.E. richtigen weiteren Procedere:

  • Wegen der unter Belastung bei Ihnen wieder aufgebrochenen neurologischen Symptomatik absolute Laufpause für weitere 10 Wochen, in dieser Zeit nur Aqua-Jogging, wobei speziell das beschriebene Beschwerdebild in der Gesäß- und Leistenregion für spezifische Bandscheiben-Nachwehen spricht (durch die Vertikalbelastung bekommt Bandscheibengewebe wieder Kontakt mit neurologischen Strukturen auf Höhe der betroffenen Wirbelsäulen-Etage).
  • Wandern auf weichem Untergrund in frühestens 6 Wochen, um so ohne zu hohe Vertikalkräfte die Bandscheiben-Belastbarkeit zu testen. Hier müssten Sie dann völlig beschwerdefrei bleiben. Diese vorgegebene 10-Wochenfrist soll helfen, den Vernarbungs- und Schrumpfprozess in der betroffenen LWS-Bandscheiben-Region zu unterstützen bzw. ungestört ablaufen zu lassen.
  • Danach vorsichtiger Wiederbeginn, d.h. auf Waldboden 15 Minuten Walking, gern auch Nordic Walking, falls Sie die Technik beherrschen, dann 15 Minuten Jogging (gut wäre eine leichte Bergauf-Route, bei der Sie noch über die Ferse abrollen können), dann 15 Minuten ausgehen - und fertig. Dieses Programm 3 x pro Woche durchziehen für 3 Wochen und dann allmählich die Umfänge steigern, sofern Sie beschwerdefrei bleiben.
  • Wie sich bei Ihnen die weitere Wettkampftauglichkeit gestaltet, müssen die nächsten Wochen und Monate zeigen. Aber bitte nicht gleich verzagen: Auch ich bin leidgeprüfter Bandscheibenpatient, laufe aber seit Jahren wieder beschwerdefrei bis Halbmarathon und das ist ja auch keine Distanz für Seerosengießer.
  • Bezüglich Ihrer Laufschuhe noch der wichtige Hinweis, dass die Weichmacher in der Sohle für maximal 1 200 - 1 500 Kilometer ausgelegt sind, je nach Material-Qualität und Körpergewicht des Benutzers. Daher bitte regelmäßig die Schutz- und Stabilitätswirkung Ihrer Laufschuhe per videogestützter Laufband-Analyse beim Schuh-Spezialisten untersuchen lassen, auch unabhängig von Ihrem aktuell schwelendem Bandscheibenproblem. Außerdem: Niemals "preislich günstige" Schuhe oder das Lieblingsmodell auf Vorrat kaufen, da auch die Funktionselemente der Schuhe altern, nicht anders wie wir Menschen.


Ihr
Dr. Ziegler

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