Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Mitgliederportraits

 

 

 

Johannes Boege - Mitbegründer des 1. Deutschen Lauftreff 1974 in Dortmund

 

Im sächsischen Frohburg bei Leipzig im Zeichen des Zwilling geboren, sagt man ihm Intelligenz, Selbstsicherheit, analytisches Denken, einen Schuss Eigenwilligkeit und ungeschminkte Wahrheitsliebe nach. Diese Eigenschaften haben es Johannes Boege im Leben nicht immer leicht gemacht, Achtung bei seinen Mitmenschen hat er sich jedoch damit erworben. Nach der Schule schlug Boege eine Verwaltungslaufbahn ein, die ihn vorerst nach Dresden, später nach dem Polenfeldzug zur Polizeiverwaltung Reichenberg im Sudetenland verschlug. Über Krakau kam er dann in Berlin zum Einsatz, wo er den Russen entkam wie er es ausdrückt. In Westfalen gelandet, arbeitete er nun zehn Jahre in der Landwirtschaft im Sauerland, bevor er zum 1. Juli 1955 in den Dortmunder Verwaltungsdienst eintrat. So wurde Dortmund zu seiner zweiten Heimat. Sportlich vorbelastet, der Vater gehörte zur Frohburger Vorturnerschaft, trat Boege mit neun Jahren in den Frohburger Turnverein ein. Vor der Turnstunde lief er wöchentlich drei Mal um die Kleinstadt Frohburg, um sich das Rüstzeug für seine zahlreichen Gelände- und Waldläufe zu holen. Bei den Turnfesten in Leipzig, auch in Köln (1928) stellten sich bereits Erfolge ein. Als Allrounder pflegte Boege neben dem Laufen das Radrennfahren. Er fuhr unter anderem Rund um Leipzig, Zwickau-Leipzig-Zwickau, Rund um das Vogtland und andere Rennen über teilweise immerhin 200 km mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Das Ablegen von Deutschen Sportabzeichen war unter allen deutschen Regierungsformen beliebt, es gehörte ebenso zum selbstverständlichen sportlichen Programm von Johannes Boege, wie sein geliebtes Bergwandern. Die vorwiegend goldenen Abzeichen zeugen von seiner sportlichen Vielseitigkeit. Machen wir einen Zeitsprung. Die Sportstadt Dortmund mit Olympiasiegern, Weltmeistern, Rekordhaltern und vielen sportlichen Großveranstaltungen im Stadion Rote Erde, Westfalenstadion und -halle wurde auch bei der Laufbewegung zum Startläufer. Begonnen hatte es mit Enzio Busche, der Gleichgesinnte unter dem Motto "Lauf Dich gesund" im Sportplatz natur zum Lauftreff bat. Das erregte Aufsehen und plötzlich gab es den ersten Volkslauf mit 70 Teilnehmern. Folgerichtig wurde am 17.03.1974 der erste Lauftreff Deutschlands in Dortmund gegründet. Johannes Boege zählte zu den Gründungsmitgliedern. Aus dem Lauftreff entwickelte sich zwei Jahre später der Laufverein "Viermärker Waldlauf-Gemeinschaft". Doch da war er bereits Mitglied der IGÄL, denn Boege hatte bereits in den 60er Jahren sportlich wieder mit Gehen, Volksläufen und Wandern angefangen, sich aber mit Teilnahmen in der Dortmunder Umgebung und im Rheinland begnügt. Nun war er fast jedes Wochenende, oft an zwei Tagen, sportlich unterwegs. Durch die IGÄL, die Freundschaften zu Hanny und Arthur Lambert und viele andere animiert, begann Johannes Boege eine internationale Karriere. Europa-Bestenkämpfe führten ihn in die Schweiz, nach Rumänien, Teneriffa. Zu Welt-Bestenkämpfen fuhr er zwei Mal nach Japan, diese beiden Marathonläufe in Osaka sowie die drei Teilnahmen am klassischen Marathonlauf von Marathon nach Athen 1974 bis 1976, wobei er zwei Klassensiege erzielte und einmal 6. wurde, zählen zu seinen schönsten Erinnerungen in seinem Läuferleben. Doch das Dortmunder-Läufer-Urgestein Boege setzte seine Laufschuhe auch auf die Straßen und Laufbahnen von Los Angeles, San Diego, Puerto Rico, England, Skandinavien, Honkong, Taiwan, Thailand, Südkorea, Las Vegas, Mexico und andere europäische und überseeische Staaten. Alle aufzuzählen würde dieses Portrait sprengen. Medaillen, Pokale, und Urkunden zuhauf künden von Boeges Erfolgen aus aller Welt. Seine Wohnung ist ein einziges Sportmuseum. Alt werden und jung bleiben durch "Laufen mit Kopf", das hatte ihm Arthur Lambert einst als Tipp mit auf den Weg fürs Leben gegeben. So war Johannes Boege mit 75 Jahren bei den Welt-Bestenkämpfen in Perpignan noch die 10 km in 58:17 Minuten gelaufen. Seinen Abschied vom aktiven Sport, seiner läuferischen Laufbahn, wollte er bei den Welt-Bestenkämpfen in Südafrika 1997 nehmen. Die Reise war schon gebucht. Dazu kam es nicht mehr. Bei der Einfahrt in Bad Arolsen erlitt er am 4. Juli 1997 einen fast tödlichen Autounfall, von dem man ihn nach Wochen ins Leben zurück holte. Seine sportlich gestählte Konstitution hat nach Aussage seiner Ärzte wesentlich dazu beigetragen. Mit seinem hellwachen Geist nimmt er weiterhin Anteil am Leben der IGL und der Dortmunder Laufbewegung. Sport war sein Leben, er trieb ihn als Idealist und aus gesundheitlichen Motiven, was sportlichen Ehrgeiz nicht ausschloss. Dem heute mehr und mehr zum Kommerz verkommenden Sport kann ein Idealist wie Johannes Boege, der in diesem Monat 96 Jahre alt wird, nicht mehr viel abgewinnen. Den Volksläufen gehört jedoch nach wie vor seine Liebe. Die IGL hofft und wünscht, dass er noch recht lange Spaß daran hat.

Heinz-Georg Steinke

 

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