Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 

 

Leser-Forum: Beitrag "Cholesterin - Fluch oder Segen"

 

Wilhelm R. fragt: Animiert durch Ihren Cholesterin-Beitrag in der vorletzten Ausgabe von condition bitte ich um nochmaligen medizinischen Beistand des wissenschaftlichen Beirates der IGL. Ich darf dazu kurz ausholen: Obwohl ich mich gesund ernähre und seit 25 Jahren intensiv Ausdauersport betreibe, gehöre ich leider zu den Betroffenen, die aus genetischen Gründen generell mit erhöhten Cholesterinwerten zu kämpfen haben. Mir wurde aufgrund meiner Risiko-Konstellation von ärztlicher Seite zu einer Absenkung des LDL-Cholesterins auf unter 100 mg % geraten, was ich mittels konsequenter medikamentöser Therapie auch erreicht habe. Nachdenklichkeit löste bei mir Ihr Hinweis auf Omega-6-Fettsäuren als "pro-entzündlich wirkende Substanzen" aus, wo ich doch wegen meiner Cholesterin-Problematik konsequent Butter meide und daher bereits seit vielen Jahren auf eine bekannte Diät-Margarine zurückgreife, die auf ihrer Verpackung mit Omega-3- & Omega-6-Fettsäuren wirbt sowie darauf hinweist, dass diese Margarine "ideal für die cholesterinbewusste Ernährung" sei. Sieht man sich jetzt aber die Fettzusammensetzung genauer an, kommt die Ernüchterung: 100 g dieser Diätmargarine enthalten 30 g mehrfach ungesättigte Fettsäuren, davon 4 g Omega-3-Fettsäuren und sage und schreibe 26 g Omega-6-Fettsäuren, womit das biologisch sinnvolle Verhältnis von pro-entzündlichen Omega-6-Fettsäuren zu anti-entzündlich wirkenden Omega-3-Fettsäuren von 2 - 3 zu 1 massiv überschritten wird. Für mich stellt sich daher zwangsläufig die Frage, ob ich nicht wieder auf unsere gute alte Butter zurückgreifen soll. Vor allem würde mich interessieren, wie hoch hier der Anteil an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist.
Des weiteren war ich bzgl. Ihres Hinweises irritiert, wonach man Omega-3-Fettsäuren täglich im Grammbereich zu sich nehmen sollte.
Auch Ihr Rat zum zurückhaltenden Getreideverzehr wegen des hohen Gehalts an pro-entzündlichen Omega-6-Fettsäuren mag viele LäuferInnen überraschen. Ich denke hier insbesondere an die notorischen "Körner-Liebhaber".

Antwort des wissenschaftlichen Beirates der IGL: Fett ist nun einmal nicht gleich Fett. Die werbliche Ausrichtung auf Margarine als Streichfett-Alternative zu Butter hebt zunächst darauf ab, den Konsum von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin aus tierischen Quellen zu limitieren. Denn "die gute Butter" enthält nun einmal einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, an Cholesterin sowie auch an Omega-6-Fettsäuren, wenn die Kühe mit Getreideschrot gefüttert werden. Im Kontext mit anderen diätetischen und medikamentösen Maßnahmen gelingt es daher mittels Margarine-Verzehr durchaus, die LDL-Konzentration im Blut abzusenken und die HDL-Konzentration wünschenswert zu erhöhen. Bzgl. der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Verhütung ist das aber noch nicht die komplette Geschichte. Vielmehr gilt es zusätzlich, die pro-entzündliche Tendenz in unserem Körper abzuschwächen, um ein überschießendes Fortschreiten der Gefäßverkalkungsprozesse zu verhindern. Diesbezüglich optimale Effekte lassen sich jetzt bekanntlich über die Zufuhr von reichlich Omega-3-Fettsäuren in Gemüse, Salat, Nüssen, Samen, bestimmten Ölen sowie natürlich in Wild und Fisch-Sorten aus kalten Gewässern erzielen, bei gleichzeitig zurückhaltendem Verzehr von Getreideprodukten und tierischen Produkten aus Mastbetrieben (Weizenschrot als Mastfutter). Entsprechend sollte daher beim Margarine-Verzehr genau auf die pflanzliche Herkunft geachtet werden. Margarine-Sorten aus Oliven-, Raps-, Mandel- oder Leinöl sind dabei besonders arm an Omega-6-Fettsäuren bzw. im Einzelfall auch reich an Omega-3-Fettsäuren, was ja ernährungsphysiologisch durchaus Sinn macht. Dem gegenüber nicht empfehlenswert sind Margarine-Produkte aus Sonnenblumen-, Distel-, Soja-, Kürbiskern-, Traubenkern-, Maiskeim- oder Weizenkeim-Öl, da hier in der Ölmischung nun einmal die Omega-6-Fettsäuren überwiegen. Um das hier auch nochmals für alle condition-LeserInnen klar herauszustellen: Die konsequent zurückhaltende Linie bzgl. Getreideprodukte und bestimmter Öle sollten vor allem Patienten mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren (auch Diabetiker) beherzigen, ohne Wenn und Aber vor allem dann, wenn es bereits zu schwerwiegenden Zwischenfällen wie Angina pectoris, Herzinfarkt oder Schlaganfall gekommen ist. Unter sportlichen Gesichtspunkten verhilft ein harmonisches bzw. harmonisiertes Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis zu einer Verkürzung der Regenerationsdauer, was entsprechend eine höhere Belastungsdichte und auch eine größere Belastungsverträglichkeit ermöglicht. Zusammenfassender Hinweis: Es geht bei der Schulung des Essverhaltens in der heutigen Zeit nicht stur um blinde Fettvermeidungsstrategien, sondern um das Verständnis von Nutzen und Schaden bei den verschiedenen Fettqualitäten. Gleichzeitig gilt es aber auch und mit der gleichen Konsequenz, die richtigen Kohlenhydrate für das individuelle Ernährungsregime auszuwählen. Und hier fährt man immer richtig, wenn man einfach das five-a-day-Prinzip praktiziert, also täglich 5 Portionen Obst (Beeren), Gemüse und Salat als Kohlenhydrat-Basis. Hier satt gegessen, macht automatisch den Verzicht auf raffinierte Zucker und Auszugsmehle als gefürchtete Dick- und Krankmacher leicht.

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