Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Carl-Jürgen Diem - Ein Motor der modernen Laufbewegung wird 70 Jahre alt


Nicht die Eltern, wie man annehmen könnte, sondern der Paderborner Osterlauf war der Auslöser für die Entwicklung dieser Sportpersönlichkeit Carl-Jürgen Diem. Als er zum wiederholten Male zur Siegerehrung und Pokalverleihung bei dem seinem Vater gewidmeten Lauf erschien, gefiel ihm seine Rolle als vielseitiger Freizeitsportler auf einmal nicht mehr. In der Mitte seines Lebens wandte er sich dem Laufsport zu, was bei den einladenden Wäldern rund um seinen Wohnort Darmstadt nahe lag. Der Weg zu dem wenige Monate zuvor gegründeten DARMSTÄDTER LAUF-TREFF war so gesehen unvermeidbar. Sein sprühendes Engagement, seine Kompetenz als Lauf-Treff-Betreuer und seine natürliche Autorität warfen dort alsbald die Frage auf: Wer ist dieser Carl-Jürgen Diem?

Die Abstammung von dem berühmten Sportprofessoren-Ehepaar Carl und Liselott Diem ersparte ihm keineswegs harte Kindheits- und Jugendjahre. Das Kriegsende in Berlin hat bei dem 10-jährigen prägende Eindrücke hinterlassen. Erst nach dem Berufsabschluss als Elektrofeinmechaniker baute er auf dem 2. Bildungsweg sein Abitur im Alter von 23 Jahren. Sein Berufsweg führte ihn als Physiker mit Schritt für Schritt erarbeiteten Zusatzqualifikationen gradlinig durch verschiedene Positionen eines bekannten Unternehmens. Seine frühe "Sportkarriere" ähnelt der von Tausenden: Handball, Feldhockey, Skilaufen und kleine Erfolge in der Leichtathletik. War es eine auch ihm selbst verdeckte Neigung, dass er sich als Leiter einer Betriebssportgruppe zur Verfügung stellte? Jedenfalls rühren erste Übungsleiter-Lizenzen (Volleyball und Leichtathletik) aus dieser Epoche.

Die Entfaltung zu einer starken, innovativen Sportpersönlichkeit mit bundesweiter Ausstrahlung vollzog sich in der Zeit als Leiter des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs ab Beginn der 1980er Jahre. Umgeben von einem experimentierfreudigen Team entwickelte er ein Konzept für die Anfängerbetreuung beim Lauftreff, das den Erfolg garantierte, wenn einen disziplinierte Umsetzung geschah. Mit der persönlichen Garantieübernahme, dass jeder es schaffen kann, setzte er ein deutliches Zeichen für die Qualität der Betreuung. Durchaus konstruktiv provozierte er damit das Verhalten der Betreuer, die ihre egoistischen Trainingsziele zunächst nicht einschränken wollten. Seine eigene Forschungsarbeit, die er in ungezählten Artikeln veröffentlichte, die Erfahrung seiner jahrelangen Lehrtätigkeit in Funktionen des Hessischen und des Deutschen Leichathletik-Verbandes floss in diverse Ausbildungskonzepte für Lauf-Treff-Betreuer ein. Sein diesbezügliches "Darmstädter Modell" leitete langsam eine Wende im Verständnis zur optimalen Betreuung der Lauftreffs in Deutschland ein. Daneben hat er auf breiter Basis Laufschuhe getestet, deren Hersteller beraten und auch diese Ergebnisse fortlaufend publiziert.

Dass er in dieser Schaffensphase sich selbst in den Bereichen Sportmedizin (bei Professor Manfred Steinbach), Sportorthopädie, Didaktik der Trainingslehre aktiv weitergebildet hat, um den aktuellen Wissenstand zu vermitteln, belegen unter anderen die fünf Fachbücher, die Fachleute wie den Laien zu den Grundlagen des Ausdauersports und der dazu gehörenden Ausgleichsgymnastik hinführen sollen. Niemand konnte sagen, dass Carl-Jürgen Diem sich in dieser Zeit zum Stubenhocker entwickelt hätte. Erste Triathlons reihten sich zwischen ausgesuchten Marathonstarts, was eine Erweiterung des eigenen Trainings voraussetzte. 27 Goldene Sportabzeichen in Folge beweisen die Ausdauer auf andere Art. Zwei- bis dreimal pro Woche gab er seine Impulse in den Lauftreff, der mit durchschnittlich 350 Teilnehmern pro Treff zum größten und bestorganisiertesten in der Bundesrepublik mutierte. Rund 50 Betreuer schafften es, die Laufstunde auf meistens 17 Leistungsstufen zwischen 5,5 und 13 km locker über die Bühne zu bringen.

Nach der Übergabe der Lauftreff-Leitung an Michael Spankus 1996 blieb Diem Dozent und Ausbilder für Übungsleiter im Ausdauersport. Für zwei Jahre war er örtlicher Vorsitzender der Deutschen Olympischen Gesellschaft in Darmstadt, was wieder von neuem eine sinnvolle Verbindung von Sportpraxis und theoretischer Arbeit ausweist. Wie Sportwissen auch die Lebensgestaltung positiv beeinflusst, zeigte Diem unfreiwillig, indem er nach einer Hüftoperation 1998 sehr bald mit einem Aquatraining begann und in relativ kurzer Zeit danach wieder durch die Wälder traben konnte.

Mut und Eigeninitiative zeichnen den Jubilar auch in einem anderen Bereich aus: Vierzig Jahre nach dem Tod seines 1962 verstorbenen Vaters streitet er juristisch gegen einen Teil der deutschen Sportorganisationen, die den großen Sportpionier mit spekulativen Begründungen um seine Ehre bringen wollen. Exakte wissenschaftliche Klärungsarbeiten stehen in Aussicht.

Wünschen wir dem umtriebigen, vitalen Siebzigjährigen, der seit einigen Sommern am Starnberger See eine Segelschule (bei der Anfängerbetreuung!) unterstützt, eine genuss- und erlebnisreiche Lebensphase, die noch gar nicht wie Lebensabend aussieht.

Walter Schwebel

Einige ausgesuchte Lebensdaten

Geboren: 14. Oktober 1935 in Berlin
Berufseintritt: 1961 als Physiker bei der Röhm GmbH
Tätigkeiten im Sport: ab 1952 Übungsleiter in den Bereichen Schüler- u. Lehrlingssport
1963 bis 1991 Leiter der Betriebssportgruppe Röhm
1975 bis 1982 im Führungsteam des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs
1982 bis 1996 Leiter des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs
1981 bis 1983 Hessischer Lauftreffwart
1983 bis 1985 Breitensportwart im Hessischen Leichathletik-Verband
1985 bis 1990 Lauftreffwart beim Deutschen Leichathletik-Verband
1980 bis 2005 Mitarbeiter bei der Fachzeitschrift condition

Besondere
Ehrungen (Auszug):

  • 1981 "Van Aaken-Preis" des Deutschen Verbandes langlaufender Ärzte und Apotheker e.V. (DVLÄ)
  • 1989 Ehrenmitgliedschaft beim DVLÄ
  • 1989 Sportplakette der Stadt Darmstadt
  • 1995 Ehrenmitgliedschaft beim ASC Darmstadt

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