Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Laufen und Ermüdungsfraktur"

IGL-Mitglied Wolfgang F. fragt: Als talentierte Hindernisläuferin trainierte meine Tochter bis zum Sommer diesen Jahres ungefähr 50 - 60 km pro Woche, um dann ab Oktober den Trainingsumfang auf allmählich 70 km zu steigern. Sie hat seither 6 kg abgenommen und wiegt nun 51 kg bei einer Körpergröße von 1,65 m. Sie ist  nicht klapprig, steht vielmehr gut im Saft. Nun zum Problem: Bis zum Sommer kam ihre Regelblutung zumindest, wenn auch unregelmäßig. Seit Oktober ist sie völlig ausgeblieben, was sicherlich mit dem geringeren Gewicht und dem höheren Trainingsumfang in ursächlichen Zusammenhang zu bringen ist. Was raten Sie hier bzw. sehen Sie im Wegbleiben der Regel ein gesundheitliches Problem? Die sport-medizinische Untersuchung Mitte September ergab einen Fettgehalt von 12,2 %. M.E. ist davon auszugehen, dass dieser jetzt deutlich abgefallen ist.

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Gern darf ich zu Ihrer Anfrage wie folgt Stellung nehmen:

  • Gerade von sportlich aktiven Frauen wird die Regelblutung oftmals als lästiges Übel wahrgenommen. Leider, ist doch das in Zyklen von 24 – 28 Tagen immer wiederkehrende Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut mit nachfolgender Regelblutung nun einmal ein untrügliches und auch sichtbares Zeichen des intakten hormonellen Regelkreises zwischen Hypothalamus (Zwischenhirn-Region), Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), Eierstock und Gebärmutter.

  • Das Ausbleiben der Regelblutung bei Frauen im geschlechtsreifen Alter bei gleichzeitig hoher sportlicher Beanspruchung signalisiert, wenn eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist, zunächst einmal ein Synthesedefizit in den 2 Eierstöcken bzgl. der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene und Gestagene). Beide Hormone benötigen Cholesterin als Synthese-Vorstufe. Bei niedrigen Fettwerten kann es recht schnell zu einer reduzierten Cholesterin-Biosynthese in der Leber kommen, was sich dann wieder auf die Hormonbildung in den Eierstöcken auswirkt.

  • Wegen der unersetzlichen Effekte der Östrogene auf den Knochenstoffwechsel erhöht sich daher bei längerfristig bestehenden Hormon-Defiziten gerade bei jungen sportlichen Frauen und zwar statistisch signifikant die Gefahr von sogenannten Ermüdungsbrüchen, speziell bei Vertikalsportarten (Laufen, Hindernis, Sprint etc.). Gemeint sind damit Brüche, die spontan entstehen, also ohne vorausgehende Verletzung. V.a. gefährdet sind dabei folgende Knochenregionen:

    • Mittelfußbereich,

    • Schienbein

    • Oberschenkelknochen

    • sowie auch die Wirbelkörper.

Quintessenz: Generell sollte daher bei jungen ehrgeizigen Sportlerinnen in gefährdenden Disziplinen und ausbleibender Regelblutung generell die Anti-Baby-Pille verordnet werden, wobei ein zumindest geringer Östrogengehalt enthalten sein muss. Mit dieser regelmäßigen Hormonportion von außen, unabhängig von der körpereigenen Eierstocktätigkeit, sollte genügend zum Schutz vor den gefürchteten Ermüdungsbrüchen getan sein. Des weiteren gilt es auch ernährungsbezogen konsequent bestimmte Vorgaben zu beherzigen, die am besten mit den Schlagworten zu beschreiben sind: Eiweiß- und Eisen-reiche Kost plus regelmäßiger Konsum von langkettigen Omega-3-Fettsäuren (v.a. in Seefisch und Wild).



Ihr
Dr. Ziegler

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