|
IGL-Mitglied Cornelia H. fragt: Spricht sportmedizinisch etwas
gegen gelegentliches Fasten bei einer regelmäßig trainierenden
Läuferin?
Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim: Ehrlich gesagt, ist
ein solches Vorgehen vergleichbar mit einem Läufer/einer Läuferin,
die sich über ein deutlich erschwertes Vorwärtskommen wundern,
wenn Sie sich beim Laufen eine große Eisenkugel ans Bein binden
würden. Im Klartext: Regelmäßiges Ausdauertraining
steigert nun einmal gemäß aktueller Studien nicht unwesentlich
den täglichen Eiweißbedarf und zwar auf ca. 1,5 bis 2 Gramm
Aminosäuren pro kg Körpergewicht und Tag. Dies entspricht
in etwa dem früher postulierten Eiweißbedarf bei Kraftsportlern.
Diese Zusammenhänge wurden lange unterschätzt. Erklärlich
wird dieser hohe Eiweißbedarf bei AusdauersportlerInnen über
die bei hohen Umfängen und regelmäßigem Training nicht
zu verhindernde Einschleusung von hochwertigen Funktionsproteinen in den
Energiestoffwechsel (Katabolie). Entsprechend würde Fasten diese
Situation dahin gehend problematisieren, dass Sie Ihren Organismus bei
generellem Nahrungsverzicht zusätzlich zwingen würden, aus Eiweiß
Zucker zu machen, um unserem Gehirn als unserem Bio-Cockpit schnell verfügbare
Energie zur Verfügung zu stellen. Außerdem verlangt auch eine
funktionierende Fettverbrennung in der Muskulatur ein Mindestangebot an
Zucker (Glukose). Dadurch würde die Engpass-Situation "Eiweiß"
weiter verschärft. Daher sollten Sie als leistungsbezogene Läuferin
auf Fasten zur "Selbstreinigung" und zur "Erweiterung Ihres
psychomentalen Erfahrungsschatzes" tunlichst verzichten. Andernfalls
erhöhen Sie unerwünscht und doch automatisch Ihr Risiko für
eine verlängerte Regenerationsdauer nach Belastung, für eine
erhöhte Infekt- und Verletzungsanfälligkeit, für Konzentrationsstörungen
und eventuell sogar für ein plötzliches Psycho-Down, da speziell
unser Gehirn auch auf ein regelmäßiges Eiweißangebot
über die Ernährung angewiesen ist zur Langzeitgedächtnis-Entstehung
und die Bildung und Bereitstellung von lebensnotwendigen Hormonen und
Überträgerstoffen (Transmittern).
Wenn Sie als Leistungssportlerin ernährungsbezogen wirklich etwas
für Ihre Gesundheit tun wollen und das ohne Langzeitrisiko, reduzieren
Sie doch einfach den Konsum von tierischen Produkten aus Mastbetrieben,
Zuchtfarmen & Legebatterien (Fleisch, Geflügel, Zuchtfisch, Käse,
Butter, Eier, Wurst,) mit ihrem ungesund hohem Gehalt an Arachidonsäure
(Omega-6-Fettsäure) und decken Ihren Eiweißbedarf sinnvoller
Weise vor allem über:
- Seefisch
- Nüsse
- Weizenkeime
- Milchprodukte (Bio-Joghurt)
- Molke
- Pseudo-Getreide
(Amaranth, Quinoa Buchweizen)
- Hülsenfrüchte
(Erbsen, Bohnen, Linsen, Soja, Erdnüsse),
- Spirulina-Algen
(als Fertigprodukt).
So erzielen Sie zusätzlich
zu einer wünschenswert verminderten Zufuhr an versteckten Fetten
auch eine Harmonisierung der Omega-6-Fettsäuren : Omega-3-Fettsäuren-Relation.
Genetisch fixiert ist ein Verhältnis von 2 - 3 zu 1 zugunsten der
Omega-6-Fettsäuren; unsere Mastfutter-verseuchte getreide-lastige
Ernährung beschert uns ein Verhältnis von bis 20 zu 1. Diese
Relation wirkt auf Dauer krankmachend, ersichtlich u.a. an:
verlängerter
Regenerationsdauer im Sport durch ungünstig gesteigerter Entzündungsneigung,
- verstärkter
Allergie-Neigung mit unerklärlichen Hautausschlägen bis zum
Asthma,
- erhöhter Schmerzempfindlichkeit,
- gesteigerte Gerinnbarkeit
des Blutes,
- verstärkte
Neigung zu Herzrhythmusstörungen
- Anstieg des LDL-Cholesterinspiegels
sowie des Triglyzeridspiegels,
- Neigung zu Übergewicht
- reduzierte immunologische
Leistungsfähigkeit bis zur erhöhten Krebsdisposition.
Auch ein bewusst verminderter
Getreideverzehr zugunsten von Obst, Gemüse, Pseudo-Getreide, Nüsse,
Molke, Kerne, Samen, Spirulina-Extrakt etc. wirkt sich sowohl für
den leistungssportlich wie auch für den nur gelegentlich Aktiven
auf Dauer optimal aus, da nun einmal gerade Getreide reichlich kurzkettige
Omega-6-Fettsäuren enthält und zudem auch in der Vollkorn-Variante
wesentlich weniger Eiweiß pro Gewichtseinheit enthält als die
alternativ angeführten Lebensmittel.
[zurück...]
|