Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Fisch- und Nuss-Kost"

 

IGL-Mitglied Richard A. fragt: Wie ich einigen Ihrer bisher in der condition veröffentlichten Sprechstunden-Beiträge entnehmen kann, besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des LDL-Cholesterins im Blut und dem regelmäßigen Konsum von fettem Seefisch wie z.B. Makrele und Sardine. Gilt das auch für die geräucherte Makrele, Kieler Sprotten und Ölsardinen? Des Weiteren interessiert mich die gesundheitliche Bedeutung von gerösteten Erdnüssen. Gestatten Sie mir noch den Hinweis auf eine Abhandlung, aus der ich einen negativen Effekt auf die Konzentrationsfähigkeit bei regelmäßigem Nussverzehr entnehme? Für eine kurze Stellungnahme Ihrerseits wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Lassen Sie mich bei Ihren gesundheitlich wie ernährungsphysiologisch wirklich hochinteressanten Fragen gleich auf den Punkt kommen:

  • Natürlich sind Sie mit Räucherfisch bzgl. der sogenannten langkettigen Omega-3-Fettsäuren nicht schlecht bedient. Darauf zielt ja auch Ihre Frage bzgl. LDL ab. Eine regelmäßige Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren in einer Größenordnung von mindestens 500 Milligramm täglich erhöht eindeutig und wissenschaftlich abgesichert die HDL-Konzentration im Blut (wie gewünscht) und senkt gleichzeitig die LDL- und Triglycerid-Konzentration im Blut, ebenfalls ja ein ausgesprochen positiver und gesuchter Herz-Kreislauf-Schutzeffekt. Für diese gesundheitlich so relevanten Auswirkungen können einmal direkte biochemische Einflüsse dieser mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Fettstoffwechsel der Leber verantwortlich gemacht werden. Zum anderen ist nun einmal bei einem Menschen, der regelmäßig Fisch, Nüsse, Sprossen, Samen, Salat und Gemüse verzehrt, automatisch die Zufuhr an tierischen Fetten aus Fleisch, Geflügel, Eiern und Milchprodukten reduziert. Zumal wir heutzutage durch ein Fleisch-, Geflügel-, Eier- und Milch- bzw. Milchprodukte-Angebot, das fast ausschließlich nur noch von Mast- und Zuchtbetrieben (auch Lachs & Steinbutt stammen ja zunehmend aus Zuchtfarmen) von einem dramatisch reduzierten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und einem entsprechend erhöhten Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren ausgehen müssen. So führt sich der deutsche Bundesbürger derzeit täglich nur noch durchschnittlich 100 Milligramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag zu, bei gleichzeitig dramatisch und gesundheitlich unverantwortlich erhöhtem Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Genetisch wünschenswert wäre ein Verhältnis von 2-3 : 1 zugunsten von Omega-6-Fettsäuren, das Verhältnis liegt unter deutscher Durchschnittskost bei mittlerweile 25 : 1. Bei regelmäßigem Genuss von Räucherfisch gilt es ohne Frage den evtl. erhöhten Gehalt an krebserzeugenden aromatischen Kohlenwasserstoffen (sogenannte Benzpyrene) zu bedenken. Frei nach Paracelsus macht natürlich auch hier die Dosis das Gift aus. Speziell geräucherter Zuchtlachs sollte maximal zwei- bis dreimal pro Jahr verzehrt werden. Einmal wegen des hohen Gehalts an Antibiotika-Rückständen, dann ist eben bei jedem Zuchtfisch der Gehalt an hochwertigen langkettigen Omega-3-Fettsäuren erheblich reduziert, wie bereits erwähnt. Diese Fische ernähren sich nicht mehr, wie in freier Wildbahn üblich, von Moosen Farnen und Algen, sondern werden meist über Getreide-Mastfutter und Fischabfällen schnell zum Schlachtgewicht gebracht. Und Getreide enthält nun einmal bzgl. der mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUF) vor allem Omega-6-Fettsäuren.
  • Bitte des Weiteren bei allen in Öl eingelegten Fischen bedenken, dass hier die Omega-3-Fettsäuren (fettlöslich) vom umgebenden Öl mehr oder weniger herausgelöst werden können, was automatisch ihren Gehalt im Fischfleisch entsprechend sinken lässt. Ich bin daher dazu übergegangen, z.B. bei Ölsardinen, generell nur in Olivenöl eingelegte Ware zu kaufen. "Ölfische" schwimmen leider meist in billigem Sonnenblumenöl, das genauso wie Distel- oder Maiskeim-Öl leider nur einen sehr geringen Gehalt an kurzkettigen Omega-3-Fettsäuren aufweist, dafür aber um so mehr ungünstig viele Omega-6-Fettsäuren. Wir Menschen sind bei den lebensnotwendigen (=essentiellen) mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf ein bestimmtes Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren angewiesen, um in unserem Körper das lebenswichtige Zusammenspiel von speziellen Gewebshormonen (sogenannte Prostaglandine & Leukotriene) zu garantieren. Darüber werden so wichtige biologische Prozesse wie Schmerzentstehung, Gerinnungsneigung, Herz-Rhythmus, Blutdruck, Reagibilität unseres Immunsystems oder die Höhe des Blutfettspiegels bzgl. LDL und Neutralfette (Triglyzeride) reguliert. Genetisch vorgegeben und daher optimal wäre ein Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis wie 2-3 : 1. Unsere aktuell massiv getreidebetonte Ernährung (Getreide-Einsatz auch als Mastfutter für Geflügel, Stalltiere & Zuchtfisch-Betreibe) hat dieses Verhältnis mittlerweile auf sage & schreibe 25 : 1 hochgetrieben, zugunsten von Omega-6-Fettsäuren. Mit allen negativen und ungesunden Konsequenzen für uns Menschen. Ich bin daher manchmal und nicht von ungefähr versucht, etwas sarkastisch zu formulieren "unseren täglichen Tod gib uns heute".
  • Olivenöl (genauso wie übrigens Rapsöl) enthält vor allem Ölsäure, eine sogenannte einfach ungesättigte Fettsäure (MUF), die weniger leicht oxidiert wie die PUF und daher hitzestabiler ist (daher sehr gut zum Erhitzen geeignet). Ölsäure ist ebenfalls biologisch aktiv und kein bloßer Energieträger wie die meisten tierischen Fette. Ölsäure hat daher auch keinen ungünstigen Effekt auf die Höhe des Blutfettspiegels bzgl. LDL und Triglyzeride, weshalb ich bei in Öl eingelegtem Fisch eben gerade auf die Qualität des verwendeten Öls achte (siehe oben).
  • Zu Ihrer Frage nach der Bedeutung von gerösteten Erdnüssen sei noch kurz angemerkt, dass Erdnüsse ja nun einmal gar keine Nüsse sind, sondern zu den Hülsenfrüchten zählen, genauso wie Soja, Erbsen, Bohnen oder Linsen. Entsprechend hoch ist ihr Eiweißgehalt. Nach dem von mir in diesem Artikel breit getretenen Thema bzgl. der gesunden Öle und Fette wäre natürlich zunächst einmal die Frage nach dem verwendeten Öl beim Röstvorgang und des weiteren auch die Höhe der eingesetzten Röst-Temperatur zu diskutieren. Mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUF) sind ausgesprochen hitzelabil und können daher beim Röstvorgang zerstört werden, was wiederum ungünstige Effekte auf Blutgerinnung und Höhe des Triglyzeridspiegels haben könnte. Die evtl. gesundheitlichen Auswirkungen hängen natürlich auch wieder vom Quantum des Konsums ab.
  • Ihren Hinweis auf einen möglichen negativen Effekt des Nusskonsums auf unsere Konzentrationsfähigkeit entbehrt eigentlich jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Ganz im Gegenteil, der wünschenswert hohe Gehalt an speziellen Eiweißbausteinen (Aminosäuren), an lebenswichtigen Spurenelementen und an hochwertigen Omega-3-Fettsäuren, die eben nicht als Energieträger Verwendung finden, schaffen sogar erst gewisse biologische Voraussetzungen für optimale Gedächtnisleistungen in speziellen Strukturen des Zwischenhirns (Hippocampus). Dann zeichnen die eben erwähnten Nährstoffe auch verantwortlich für einen verbesserten Schutz vor Sauerstoff-Radikalen (= "Rostschutz" von besonders gefährdeten Hirnarealen) sowie nicht zu vergessen auch für eine stabilisierte Psyche durch einen speziell in Nüssen zu findenden antidepressiv wirkenden Eiweißbaustein (= Tryptophan).

Guten Appetit & viel Erfolg beim Umsetzen der Ernährungsanregungen.

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