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Die
Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
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"Erst
wenn ich laufe, bin ich frei ....." | ||||||
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Von Dr. med. Holger Finkernagel Natürlich gibt
es ganz traurige Fälle - jene, die hochgradig depressiv sind, jene,
die als psychiatrische Patientinnen in die Behandlung von spezialisierten
Ärzten gehören, die Medikamente einnehmen müssen. Nicht die Depression soll es sein, über die wir sprechen wollen, sondern die Verstimmung, die Traurigkeit, die Missmutigkeit, ein alltägliches Problem? "Es regt mich
jedes Mal auf, wenn....", "Wenn ich den schon sehe, könnte
ich in die Luft gehen...", "Davon bekomme ich Migräne..",
"das schaffe ich nicht, das will ich nicht, das darf man mir nicht
an tun...". Nicht täglich aber immer öfter begegnen mir
junge, vitale Frauen, die verzweifelt sind, die unzufrieden sind, die
nicht mehr wollen... was auch immer. Zu helfen habe ich
versprochen, als ich die vermeintliche Berufung in einen Beruf umsetzte.
Hippokrates hat mir einen Eid abverlangt und jetzt soll ich ihn umsetzen: Leid von meinen Mitmenschen nehmen, Schaden abwenden, dafür sorgen, dass sie sich wohl fühlen, nicht krank sind - jetzt sitzt wieder eine unglückliche Frau vor mir. Ist ihr unglücklich
sein gleich Depression oder nur die Unfähigkeit mit einer Situation
angemessen umzugehen, haben sie es verlernt, auf sich aufzupassen, sich
als wertvoll zu erleben? Seit mehreren Jahren hat sie nun schon alle paar Wochen das Gefühl, als sei der Puls extrem hoch, Ohrgeräusche treten mitunter auf, schweißgebadet wacht sie auf, dann auch noch der Harndrang, das ist doch alles nicht normal. Und ein besonders kluger Arzt riet zum Herzkatheter, ein burschikoser sprach vom Herzkasper. Ein Belastungs-EKG war normal und selbst über Nacht zeichnete das 24 stunden EKG keine Veränderungen im EKG auf, die das erklärten, was sie bedrückt, traurig macht, was sie depressiv wirken lässt. Jetzt erlebt sie sich als nutzlos, unwert, krank, nicht verstanden, traurig, antriebslos und erschöpft. Nicht alleine Herzsymptome quälen traurige Frauen, nein auch Magenschmerzen, Blasenbeschwerden, Darmverkrampfungen, Hauterscheinungen bis hin zu Muskelbeschwerden und mir ist keine Frau bekannt, die keine psychosomatisch schwierige Vergangenheit hinter sich hat und an der neudeutschen Diagnose der Fibromyalgie leidet. Häufig werden die somatoformen Symptome von Depression und Angst begleitet. Eine Diagnosestellung der affektiven Störung oder Angststörung ist dann erforderlich, wenn die psychische Symptomatik sehr deutliche und anhaltend vorliegt. Die eigentliche Somatisierungsstörung ist im Vergleich zur undifferenzierten Somatisierungsstörung relativ selten, mit 1 % in der Gesamtbevölkerung. Wesentlich häufiger sind dagegen die sogenannten undifferenzierten Somatisierungsstörungen. Frauen erkranken mehr als doppelt so häufig an einer Somatisierungsstörung wie Männer. Das hat verschiedene Ursachen. Psychosoziale Faktoren gehören ebenso dazu wie hormonelle Gründe. Fest steht: Die Somatisierungsstörung ist keine typisch weibliche Krankheit, aber sie wird bei Frauen wesentlich öfter erkannt. Liegt das vielleicht auch eher daran, dass Frauen sich mit ihren seelischen Sorgen häufiger und leichter öffnen, Hilfe suchen, sie können ja angeblich auch eher weinen, was erlösend wirken kann. Der hausärztlichen
Behandlung der undifferenzierten Somatisierungsstörung kommt mehr
noch als bei den anderen somatoformen Störungen eine Schlüsselstellung
zu. Eine vollkommene Beseitigung der Beschwerden ist selten zu erreichen.
Ziel einer hausärztlichen
Begleitung bei chronifizierter Somatisierungsstörung ist es, eine
bestmögliche Lebensqualität zu erreichen, auch wenn die Symptomatik
weiter besteht. Bei langjährig chronifizierter Symptomatik kann eine
stützende hausärztliche Begleitung die beste Form der Behandlung
sein. Kaum ist sie aufgestanden,
warten die Kinder auf das Frühstück, von 0 auf 100, das ist
schneller als ein 12 Zylinder Motor aushält. Dann, auf dem Weg zur
Arbeit werden die Kinder am Kindergarten abgegeben, ein Blick auf den
Einkaufszettel für den Nachmittag. Pünktlich am Arbeitsplatz
klingelt auch schon das Telefon, jetzt noch mal Gas geben, das Adrenalin
kitzelt im Bauch, steigt an, setzt Zucker im Blut frei. Wohin mit dem
Adrenalin, mit dem Zucker.... Viele Frauen füllen eine Doppelrolle aus, ja eigentlich eine Tripple Rolle: Kinder und Haushalt, Beruf und dann noch der Ehemann, der gerne eine sexy Partnerin möchte, die auch nach langem Tag noch voller Freude zu ihm ins Bett springt. Das führt zu
einer Überforderung, von der die meisten Männer nichts merken,
nichts ahnen, darüber hinwegsehen, es verdrängen, nicht damit
umgehen können, sich einen Trinken, um es nicht zu sehen. Und wenn dann auch noch die ausgeprägten Hormonumstellungen zwischen der Pubertät und der Menopause für Unruhe sorgen, dann ist der Griff zu einem Medikament gar nicht fern. Manche Heiler unterstützen das, verordnen auf den Teufel komm raus... haben sie doch keine Zeit in unserem Gesundheitssystem auf die Patientin einzugehen. Der therapeutische Umgang mit dieser Situation ist in unserer heutigen Gesellschaft gefragt. Der Gang zum Psychiater oder Psychotherapeuten ist immer noch teilweise tabuisiert, man sorgt sich um soziale Inakzeptanz, glaubt die letzten Freundinnen zu verlieren. Man muss es verheimlichen, möglichst nicht den Therapeuten vor Ort wählen. Für die Männer ist dieser Gang zwar noch schwerer, da noch tabuisierter aber auch die Frauen tun sich schwer, über sich und ihre Nöte zu sprechen. In den Leitlinien für die Behandlung der Somatisierungsstörung werden als Therapeuten die Spezialisten erwähnt, aber dem Hausarzt, der die Familie kennt, den Ehemann, die Eltern, die Kinder, er soll den Schlüssel in der Hand halten, so geschrieben von den Fachgesellschaften, die sich dem Problem annehmen1. Lange Gespräche mit Patienten und Patientinnen, nicht alleine im ärztlichen Gespräch, sondern auch auf Waldwegen, auf kurzen Strecken und Ultrastrecken öffnen die Gedanken und ermöglichen therapeutische Ansätze. Wer kennt nicht das
Runners-High, das glückliche Duschen nach einem schönen Lauferlebnis.
Wer kennt nicht den freien Kopf nach 5 oder 10 Kilometern auf der Hausstrecke.
Das ist Therapie,
das habe ich selbst erlebt, in Zeiten, in denen ich glaubte, der Stress
frisst mich auf, nimmt mir den Atem, lässt mich an nichts mehr denken,
als an die Sorgen und Probleme. Dann bin ich gelaufen
und erlebte die Reinheit der Gedanken, den objektiven Blick auf ein Projekt,
mir kamen die besten Ideen beim Laufen. Was können Frauen mit einer Somatisierungsstörung erwarten, wenn sie sich zum Laufen entschließen? 1. Steigerung ihrer
körperlichen Fitness Im Gegensatz zu einem ausschließlich auf Kraft ausgerichteten Sport wird beim Laufsport anfangs im verhaltenen aeroben Bereich trainiert, vielleicht mit Walking begonnen, später unter Anleitung auf Joggen umgestellt. So gewinnt man die
Erfahrung der Endorphin-Dusche und das Hochgefühl des Sports in seiner
besten Ausprägung. Endorphin, verwandt mit dem Morphium, auf das
man süchtig wird, kaum dass man es genommen hat. So ist allen Läuferinnen der Einstieg in die Lauftherapie am eigenen Leibe zu empfehlen. Nicht nur fachliche Hilfe kann dazu beitragen, dass die Läuferin plötzlich keine Herzbeschwerden mehr hat. Nein, auch durch Suggestion der Zufriedenheit und das Glücksgefühl einem urtümlichen Drang gefolgt zu sein sorgt für eine Besserung der Befindlichkeit. Aber es ist mit Arbeit
und Konsequenz verbunden, wenn man weg will von der Zentrierung auf die
eigenen Sorgen und Probleme. "Erst wenn ich
laufe bin ich frei, sind meine Beschwerden weg, mag ich den Nachbarn,
die Frau am Zeitungsstand, kann ich Ausstrahlung haben, schaue ich mich
wieder gerne an, bin zufrieden mit mir und plötzlich habe ich das
Gefühl, Männer schauen mich wieder anders an, bin ich wieder
begehrenswert. Darum laufe ich, darum brauche ich das Laufen, daher werde
ich nie wieder damit aufhören." |
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