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IGL-Mitglied
Georg W. fragt: Ich bin 55 Jahre alt und laufe seit 3 Jahren regelmäßig
Marathon. Meine Bestzeit liegt derzeit bei 3:56 h, bei den meisten Läufen
gehe ich aber nicht bis an meine Leistungsgrenze. Beim diesjährigen
Swiss Alpine wollte ich eigentlich die 78 km-Strecke laufen. Das erste
Teilstück bis Filisur (30 km) war der einfachste Streckenabschnitt.
Ich war tempomäßig sehr zurückhaltend und lief vorwiegend
im Pulsbereich 120 130, bei Anstiegen auch kurzzeitig 150. Ganz
plötzlich, wie wenn bei mir jemand den Hebel umlegen würde,
bekam ich kurz vor Filisur leichte Schwindelgefühle. Ein Blick auf
die Pulsuhr ließ mich an der korrekten Anzeige zweifeln: Puls 160
228 170 218 190 usw. Unglaublich hoch und
sehr unregelmäßig. Ich hab dann den Puls gefühlt, konnte
die Höhe nicht ermitteln, aber registrierte seine Unregelmäßigkeit.
Gleichzeitig ließ dann auch die Leistung nach oder besser gesagt,
es war keine Leistung mehr möglich. Ich habe mich dann mit ausgiebigen
Pausen bis Bergün ins Ziel für den C 42 durchgeschlagen. Ungefähr
2 Stunden nach dem Zieleinlauf war der Spuk vorbei: Puls normal,
Befinden und Stimmung prächtig. Auch am Tag danach bei einer kleinen
Bergtour keine Probleme. Ich war gleich nach meiner Rückkehr beim
Hausarzt: EKG unauffällig, Blutbild steht noch aus. Erste Diagnose:
HerzrhythmusStörungen, nicht lebensbedrohlich. Ursache: Unbekannt.
Zweites EKG beim Kardiologen: Ebenfalls alles okay. Beim Herz-Ultraschall
wurde ein Schaden entdeckt (war bekannt), verursacht durch einen kleinen
Infarkt von vor 25 Jahren, sonst nix. Zweite Diagnose: Herzrhytmus-Störungen,
nicht lebensbedrohlich. Ursache: Übertriebene sportliche Aktivitäten.
Geplant sind jetzt noch ein Belastungs- sowie ein Langzeit-EKG. Jetzt
meine Frage: Wie sieht generell meine sportliche Zukunft unter dem Makel
Herzrhythmus-Störungen aus, gerade auch unter dem Aspekt, dass mich
mein Kardiologe vor einer Weiterführung des Marathonsports regelrecht
gewarnt hat ?
Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: In
der Tat ein nicht kleiner gesundheitlicher Komplex, den Sie mir da aufgetischt
haben, auf den ich im Folgenden aber gern näher eingehen möchte.
Grundsätzlich kann aus ärztlicher Sicht natürlich niemand
den Marathonlauf ernsthaft als primär gesunde Sportart deklarieren.
Dazu sind Stoffwechsel- und Immunsystem-Beanspruchung, Herz-Kreislauf-Belastung
und orthopädische Herausforderung einfach zu hoch. Die Marathonbegeisterung
ist hierzulande ungebrochen und damit nimmt automatisch die Zahl derer
zu, die eigentlich orthopädisch-gesundheitlich besser im Schwimmsport,
beim Rad fahren oder beim Nordic Walking aufgehoben wären. Daher
hier nochmals mein eindringlicher Appell an alle Möchtegern-Asphalt-Cowboys:
Kein Leistungssport (Marathonlauf ist nun einmal vom abverlangten Umfang
her Leistungssport !!) ohne regelmäßige und sorgfältige
sportmedizinische Betreuung und Überwachung. Ab dem 30. Lebensjahr
sollte auch regelmäßig ein Belastungs-EKG (bis zur Ausbelastung
!!!) durchgeführt werden, evtl. sogar ein Herz-Echokardiogramm. Traurig,
aber wahr: Gemäß entsprechender Befragungsprotokolle hatten
ca. 65 Prozent (!) aller rund 50 000 TeilnehmerInnen des letztjährigen
Berlin-Marathons (inkl. Inliner & Schülerläufe) noch nie
(!) eine sportärztliche Untersuchung erfahren.
Da mir von Ihnen aktuell keine Befunde zum Belastungs-EKG, Langzeit-EKG
und auch keine Laborwerte vorliegen, kann ich bzgl. der Ursachenforschung
Ihrer Herz-Rhythmusstörungen nur spekulieren. Bei Ausdauerbelastungen
über 90 Minuten kann es je nach Flüssigkeitsaufnahme in Relation
zu Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit immer zu Bluteindickungen
und Elektrolytverschiebungen kommen, die Rhythmusstörungen Vorschub
leisten. Natürlich spielt auch das Ernährungsverhalten der letzten
Wochen und Monate bzgl. Magnesium- und Kaliumversorgung hinein sowie die
Frage des Ausmaßes von Alkohol- und Koffeinkonsum (bekannte Mineralien-
& Wasser-Räuber).
Rhythmusstörungen sind nun einmal nicht gleich Rhythmusstörungen.
Es gibt Formen, bei denen besteht unbehandelt absolute Lebensgefahr wegen
der Gefahr des Auftretens von Kammerflattern oder Kammerflimmern. Hier
gilt es bei Ihnen möglichst schnell herauszufinden, welcher Typus
bei Ihnen vorliegt bzw. evtl. vorgelegen haben mag. Die Tatsache, dass
Sie in der Vergangenheit einen kleinen Herzinfarkt erlitten
haben, ist insofern relevant, als dadurch bestimmte Herzareale empfindlicher
bzgl. Herzrhythmusstörungen werden, je nachdem, wo die Infarktnarbe
liegt. Sie sollten daher neben den bereits geplanten Untersuchungen auf
jeden Fall ein Komplett-Labor erstellen (inkl. Kalium, Magnesium, Selen,
TSH, Homocystein, kleines Blutbild, Blutsenkung, Blutzucker, Gesamt-Eiweiß),
um auch hier klarer zu sehen. Je nach der sich dann ergebenden Gesamtbefund-Situation
hat jetzt Ihr behandelnder Kardiologe immer das letzte Wort, wie es um
Ihre zukünftige Marathon- & Ultramarathon-Wettkampftauglichkeit
bestellt ist.
Noch ein wichtiger präventiver Tipp, auch unter Alltagsbedingungen:
Neben den bewährten Mineralien-Kombinationspräparaten zum Schutz
vor Herz-Rhythmusstörungen (z.B. Tromcardin® forte Tbl.) scheinen
vor allem Omega-3-Fettsäuren (in hoher Dosierung und regelmäßig
zugeführt) einen wirklich effektiven und zudem wissenschaftlich gesicherten
Schutzfaktor darzustellen. Jetzt weiß ich wiederum nicht, wie es
bei Ihnen um die Regelmäßigkeit des Fischkonsums bestellt ist.
Bei Ihrer Anamnese wäre es übrigens Pflicht, pro Woche mindestens
2 Portionen à 400 Gramm fetten Fisch zu vertilgen, also Thunfisch,
Sardinen, Atlantik-Hering, Makrele, Forelle oder Wildlachs. Bei Sardinen
und Thunfisch zählt auch Dosenfisch, sofern dieser nicht in Sonnenblumenöl
eingelegt ist. Als Alternative bietet sich Fischöl als Nahrungsergänzung
an. Ich habe hier gute Erfahrungen mit Biomol Omega-3-Pulver gemacht (Geschmacksrichtungen
Ananas, Walnuss und Milchkaffee für Fischmuffel), das Sie problemlos
in Getränke oder Milchprodukte einrühren können. Bitte
beachten: Immer zu, während oder nach den Mahlzeiten zuführen.
Sinnvoll wäre als Einstieg bei Ihnen zunächst für einen
Monat 3 Messbecher pro Tag, um danach mit einem Messbecher pro Tag als
Dauertherapie fortzufahren.
Sprechen Sie vielleicht Ihren Kardiologen auch auf die kurzfristige Gabe
von Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung bei Hitzeläufen
an. Hier gibt es ein Präparat mit 30 mg (Miniasal®), das dann
auch keine Magen-Darm-Probleme machen dürfte, sofern Sie hier nicht
vorbelastet sind.
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