Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Leser-Forum: "Laufen und Hüftschmerzen"

IGL-Mitglied Michael T. fragt: Ich bin 35 Jahre, wiege 85 kg und laufe seit ca. 4 Jahren regelmäßig etwa 40 km pro Woche. Seit etwa 2 Monaten verspüre ich jetzt im rechten äußeren Hüftbereich Schmerzen, die sich allerdings beim Laufen nicht bemerkbar machen. Sie treten nur bei seitlichen Bewegungen bzw. beim Dehnen der betreffenden Region auf.
Habe jetzt natürlich Angst, die Symptomatik könnte im Zusammenhang mit meinem rechten Hüftgelenk stehen. Können Sie mir hier einen sportmedizinischen Tipp geben. Was halten Sie z. B. von 1 - 2 Wochen Laufpause?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Ich bin mir auch ohne orthopädische Untersuchung fast sicher, dass es sich bei Ihnen aktuell nicht um einen sich allmählich entwickelnden Hüftgelenksschaden (Coxarthrose) handelt. Zum einen passt diese Diagnose nicht zu Ihrem Alter und dann stünden auch Schmerzen speziell unter laufsport-spezifischer Vertikalbelastung im Vordergrund. Zudem wäre der Schmerz viel mehr auf die Leistenregion lokalisiert. Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei Ihnen eher um ein so genanntes Überlastungssyndrom im Bereich des oberen Bereichs des rechten Tractus iliotibialis handelt und der an der Außenseite des Oberschenkels verläuft, typischer Weise ausgelöst durch die laufsporttypische einseitige Belastung. Bei einer Verkürzung/Überlastung kann dann auch früher oder später der Schleimbeutel auf Höhe des Hüftknochenvorsprungs (Trochanter major) in Mitleidenschaft gezogen werden, was m.E. ursächlich für Ihren geschilderten Schmerz ist. Daher müsste bei Ihnen diese Stelle an der Außenseite der rechten Hüfte auch druckschmerzhaft sein bzw. Sie dürften evtl. auch Probleme beim Draufliegen haben.
Zum weiteren Vorgehen schlage ich daher vor:

  • Beckenübersichtsaufnahme im Liegen (zur endgültigen Absicherung, dass doch keine schwerwiegenden Abnutzungsprobleme vorliegen, auch nicht auf der li. Seite,
  • kursorischer Check bzgl. schwelender Entzdg. im Körper (kleines Blutbild, BSG),
  • videogestützte Laufanalyse beim Fachmann (orthopädischer Schuhmacher-Meister), um evtl. Fußstatik-Probleme (z.B. Senk-Knickfüße, Vorfuß-Varus) auszuschließen, die dann über eine überschießende Rotation ursächlich für die Fehl- und Überbelastung des Tractus iliotibialis sein könnten. Wenn sich hier was findet, könnte man mittels spezieller Einlagenfertigung (v.a. inkl. laterales Vorfußpolster), ggf. auch ergänzt mit Schuh-Umbau/-Wechsel Abhilfe schaffen,
  • gezielte Physiotherapie (manuelle Therapie, Krankengymnastik), um evtl. Disbalancen im Bereich von M. gluteus medius & minimus anzugehen. Denn beide Muskeln strahlen in den Tractus ein, was bei ihrer Verkürzung den Zug und damit den Anpressdruck des Tractus iliotibialis auf die Traochanter-Region erhöht und so den dort lokalisierten Schleimbeutel malträtiert.
  • Sollten Sie mit diesen Maßnahmen nicht klar kommen, bliebe noch eine Cortioson-Injektion in den betreffenden Schleimbeutel.
  • Bzgl. Ihrer Überlegung einer Laufpause: Vielleicht steigen Sie für die ersten 14 Tage der hoffentlich demnächst anlaufenden Therapie aufs Rad/Spinning und verlegen Ihr Lauftraining ins Wasser (Aqua-Jogging). Hier unterblieb dann die evtl. für Ihr Problem ursächliche weitere Beanspruchung des Tractus bzw. sie würde zumindest erheblich reduziert, was dann den Heilverlauf beschleunigt.

Gute Besserung und alles Gute
Ihr
Dr. Ziegler

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