Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

[zurück...]

Sportmedizin-Tipps

 

 

Leser-Forum: "Laufen und Infekt II"


IGL-Mitglied und condition-Leser Volker H. fragt: Ich stehe kurz vor einem Marathon, geplanter Start ist am kommenden Sonntag. Auf ärztlichen Rat hin muss ich bis einschließlich Mittwoch dieser Woche ein Antibiotikum einnehmen. Was sollte ich dabei aus Ihrer langjährigen sportmedizinischen Erfahrung unbedingt beachten? Herzlichen Dank vorab für Ihren prompten ärztlichen Rat.

Sportmediziner Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Leider enthielt Ihre Anfrage keinen Hinweis darauf, weswegen man Ihnen das Antibiotikum verordnet hatte. So gehe ich 'mal davon aus, dass Sie sich mit einem schweren bakteriellen Infekt herumgeschlagen haben, evtl. sogar mit Fieber, was damit automatisch ein gezieltes therapeutisches Handeln nötig machte. Gerade für den Bereich Wettkampfsport gilt als ungeschriebenes Gesetz: Keinerlei sportliche Aktivitäten und schon gar keinen Wettkampf unter Fieber, d.h. wenn die Körpertemperatur bei 38 ° C und darüber liegt. Auch bis zu 10 Tage nach Abfall des Fiebers gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen. Wurde ein Antibiotikum verordnet, wie ja bei Ihnen geschehen, muss zusätzlich noch das Motto "keine Rosen ohne Dornen" Beachtung finden. Was heißt das nun wieder? Nun, das von Ihnen geschluckte Antibiotikum schädigt oder zerstört, zumindest teilweise, unerwünscht, aber zwangsweise die körpereigene Bakterienflora im Dickdarm. Wie der griechische Name schon beschreibt: Gegen das Leben gerichtet, "anti bios". Entsprechend wird die lebenswichtige Funktion des Darms als Abwehrorgan zumindest limitiert, ein Effekt, der durch die ja gerade beim Ausdauersport Laufen zusätzlich zu verzeichnende ausgeprägte Durchblutungsdrosselung (Blutumverteilung weg von Niere und Darm hin zur arbeitenden Skelettmuskulatur) zusätzlich und ungünstig verstärkt wird.

Somit sind Sie zum einen durch den gerade überstandenen oder evtl. sogar noch leicht schwelenden Infekt immunologisch geschwächt, zum anderen ist der Abwehrwall im Darm nicht optimal funktionstüchtig. Summa summarum also keine guten gesundheitlichen Voraussetzungen für einen optimalen Marathonverlauf, speziell in der Nachbelastungsphase. Entsprechend mein sportmedizinischer Rat: Auf keinen Fall starten, sondern in Ruhe den Infekt auskurieren. Abschließend noch ein wichtiger ernährungsbezogener Tipp: Essen Sie in den nächsten 8 - 10 Tage täglich reichlich naturbelassenen Joghurt, d.h. nicht erhitzt, ohne Farb- und Konservierungsstoffe sowie ohne Gelatine, also am besten ein Produkt aus dem Reformhaus (Top-Marke ist hier die Fa. Heirler). Dieses Naturprodukt wird dank seines Reichtums an sogenannten Laktobakterien und Bifidus-Keimen Ihrer Darmflora wieder ganz schnell auf die Beine helfen. Recht schnell werden Sie die eintretende Darmflora-Restituierung auch an Ihrem allgemeinen Fitness-Feeling zu spüren bekommen, Hand drauf. Ist doch unser Darm neben unserer Muskulatur nun einmal das wichtigste Abwehrorgan unseres Körpers. - Die von Patienten unter laufender Antibiotika-Einnahme nicht selten registrierte Abgeschlagenheit und Müdigkeit, verbunden mit Leistungsknick, ist neben dem Kennzeichen von Infekt und Fieber, oftmals auch ein Zeichen für das zusätzlich geschwächte Immunsystem. Jetzt wünsche ich Ihnen noch baldige Genesung und schnelle Rückkehr zu Ihrer gewohnten sportlichen Stärke!


Ihr Dr. Ziegler

[zurück...]