Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Sportmedizin-Tipps

 

 
Laufen und Körperfett

 

IGL-Mitglied Katharina M. fragt: Meine Frage zielt auf die so genannte low carb-Ernährung ab. Vor einem Marathon im letzten Jahr habe ich sensationelle 3 kg innerhalb einer Woche verloren. Das habe ich seither nicht mehr geschafft. Mein Gewicht ging sogar wieder ein wenig hoch. Ich habe vom so genannten set-point gehört, bei dem sich das individuelle Gewicht irgendwie einzupendeln scheint. Wie sind Ihre Erfahrungen damit? Was können Sie sonst von den Patienten berichten, die durch die Ernährungsumstellung ebenfalls Gewicht verloren haben? Mein Gewicht von 67 kg bei einer Größe von 1,69 m finde ich persönlich recht hoch, erst recht, wenn man Marathon-Ambitionen hat. Allerdings kann ich mich auch nicht kasteien. Eine Kleinigkeit pro Woche in Form von Schokolade muss ich mir schon gönnen. Aber daran können doch wohl die meinerseits geschilderten Probleme nicht liegen?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Sie sprechen von Ihrem Gewicht, das Ihnen zu hoch erscheint und meinen doch wohl aber Ihren Körperfett-Anteil. Und dieser Körperfettanteil ist natürlich variabel, je nach Alter, sportlichen Ambitionen und Ernährungs-Qualität und -Quantität. Der Ihrerseits angefragte set-point wiederum beschreibt die bekannte Tatsache, dass in gewissen Grenzen der Körperfettgehalt genetisch fixiert ist. Sie kennen sicherlich den altbekannten Spruch: "Wenn 2 Radiergummi sich kreuzen, dann kann kein Bleistift herauskommen".
Wie sieht nun mein Ratschlags-Potpourri insgesamt aus:

  • Beim Sportler hilft der Body Mass Index (BMI) zur Verifizierung des Körperfettanteils nicht weiter und allein darum geht es, wenn ich mir Gedanken "zum Abnehmen" mache. Er ist nun einmal ein rein rechnerischer Wert, der von der WHO eingeführt wurde, um die längst überholte Körperlängen-Formel bzgl. der Frage von Unter-, Normal- und Übergewicht abzulösen. Zur BMI-Bestimmung werden Körperlänge (in Metern) und das Körpergewicht (in kg) herangezogen. Die genaue Formel lautet: Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Körperlänge in Metern in Klammer zum Quadrat. Gemäß dieser Formel beginnt nun echtes Übergewicht bei Frauen und Männern ab einem BMI von 25.0 kg/m2 und Fettsucht (medizinisch = Adipositas) ab 30.0 kg/m2. Insofern ist bei Ihnen rechnerisch schon 'mal alles im grünen Bereich, von "Übergewicht", auch rein rechnerisch also weit und breit keine Spur. Gerade bei regelmäßig trainierenden AusdauersportlerInnen muss aber der BMI generell in die Irre führen, da ja durch die trainingsbedingt mehr oder weniger induzierte Muskelmassen-Zunahme oder auch bereits durch die Muskelfaser-Dickenzunahme der BMI über 24.9 kg/m2 ansteigen kann. Denn Muskulatur ist nun einmal gewichtsmäßig immer schwerer als Fett. Daher sollte gemäß sportmedizinischer Übereinkunft beim regelmäßig trainierenden Sportler der BMI-Wert nicht mehr zur Gewichts- bzw. Körperfettüberwachung herangezogen werden.
  • Aussagekräftig ist hier nur der direkt oder indirekt gemessene Körperfett-Wert, der z.B. mittels TANITA-Waage, also mittels Bioimpedanz-Analyse, bestimmt werden kann. Hier sollte der Grenzwert bzgl. Übergewicht bei Frauen 25% und bei Männern 18% nicht überschreiten. Zwar ist die Messgenauigkeit des Gerätes meist sehr genau. es gibt aber sehr viele beeinflussende Faktoren. Daher sollten Sie diese so genannte BIA-Messung stets morgens, gleich nach dem Aufstehen, machen, um beeinflussende äußere Faktoren möglichst zu minimieren. Völlig klar, jedes Gramm Fett weniger macht Sie bei gleicher aerober Kapazität und Leistungsfähigkeit schneller, gerade bei der Vertikalsportart Laufen. Abschließend noch ein paar Takte zum Thema low carb-Kost:
  • Da Sie genetisch offensichtlich zu den "Sparbrötchen" gehören, d.h. jedes Gramm zuviel wird sofort in Ihren Depots abgelegt, sollten Sie unbedingt Stärke-haltige Lebensmittel für mindestens 6 Monate quasi meiden. Mein Verständnis von low carb bezieht sich also auf das Thema Stärke und nicht auf Kohlenhydrate generell. Ersetzen Sie also Brot, Gebäck, Backwaren, Nudeln, Reis und Kartoffeln durch Amaranth-, Buchweizen-, Quinoa- und Soja-Produkte sowie natürlich Obst, Beeren, Gemüse, Salat, Nüsse. Des weiteren sollten Sie wissen, dass natürlich in allen tierischen Produkten aus Mastbetrieben, Zucht-Anstalten und Geflügelfarmen das arme Getier Getreide als Mastfutter bekommt und zudem eben nur rumsitzt bzw. rumsteht, bis es geschlachtet wird. Konsequenz: Hoher Anteil an versteckten Fetten und dabei eben obendrein vor allem bezogen auf die ungesunden gesättigten Fettsäuren. Vom hohen Gehalt an Arachidonsäure (= langkettige Omega-6-Fettsäure) ganz zu schweigen, die ja nun einmal unter sportlichem Gesichtspunkt u.a. die Regenerationsdauer künstlich verlängert und damit die psychisch-physische Gesamtbelastbarkeit des menschlichen Organismus künstlich und unerwünscht reduziert.

Ihr
Dr. Ziegler


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