Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Dr. habil. Karl Lennartz als "Carolus Magnus" geehrt

 

Was den Freunden der Deutschen Sporthochschule im Allgemeinen und denen des Carl und Liselott Diem-Archivs im Besonderen mit der üblichen Weihnachtsgabe schon mitgeteilt worden war, wurde wahr am 29. April 2005: Dr. Karl Lennartz trat in den (Un-) Ruhestand. Überwiegend hat sein Name einen guten Klang als Sporthistoriker. Die Langläuferzunft schätzt ihn freilich nicht minder wegen seiner Ausdauerleistungen in Praxis und Theorie. Das reicht von achtbaren Zeiten auf Marathon- und 100km-Distanzen bis zur Förderung jugendlichen Nachwuchses. Dass das vermeintlich "schwache Geschlecht" neu zu bewerten ist, bekundete nicht zuletzt Lennartz´ Tochter Birgit mit ihren zuvor für unglaublich gehaltenen Erfolgen auf den "Ultra"-Strecken. Uns IG(Ä)L-Oldies bleibt aber auch dessen Vorzeige-Nachbar Josef (Sepp) Galia vom ASV St. Augustin unvergessen. Durch zahlreiche Artikel - auch in condition - und Bücher (letztens "Marathonlauf I: Von den Anfängen bis von Aaken") gilt Karl Lennartz als sachkundiger Wegweiser in der Nachfolge unserer Ur-Idole. Gekrönt hat er seine theoretische Laufbahn unlängst mit dem Zusatztitel Dr. "habilitatus".

Ein Zeichen diplomatischer Befähigung setzte der Rheinländer während der 90er-Jahre, als versucht wurde, (auch) den Namen des herausragenden Sportpädagogen Carl Diem "unmöglich" zu machen. (In Remscheid z.B. erfolgten gleichzeitig ähnliche Angriffe gegen Ernst Moritz Arndt). Beide "Fälle" müssen aber aus ihren historischen Umfeldern differenziert erörtert werden. Die Namen des Diem-Instituts für olympische Forschung wie des E.M. Arndt-Gymnasium blieben erhalten. Zu jener Zeit durfte ich mich in Köln zwölf Semester lang als Gasthörer und -referent betätigen.

Bemerkenswert ist dabei die Hilfe Dr. Lennartz´ bei meiner Suche nach noch ungesicherten Fakten für unsere IG(Ä)L-Chronik. Mir wurde ein Koffer voller früher "Rundbriefe" Dr. van Aakens und Meinrad Nägeles überlassen mit der knappen Bemerkung: "Was nicht gebraucht wird, kommt zurück". Solch ein Vertrauen ist mir während der 78 Lebensjahre nur sehr selten zuteil geworden. Hier sei ein Dank all derer bekundet, denen ein korrekter Rückblick auf unsere Vereins-Vergangenheit wichtig erscheint.

Die "Akademischen Feierstunden" von 14 bis 19 Uhr in der "SpoHo" Köln mit kompetenten Referenten und vielen Gästen widerspiegelten die Verdienste des langjährigen Leiters der Diem-spezifischen Olympischen Pflegestätte. Chronisten wurden hellhörig eingedenk der Festvorträge zum aktuellen Stand der Sporthistorie. Neu waren mir vor allem Fakten aus dem Kollegenkreis um den französischen Olympia-Erneuerer Pierre de Coubertin: Keine Spur von eigentlich erklärbarer "Revanche" wegen 1870/71, sondern frühes Bemühen um Weltfrieden mittels sportlicher Fairness. Dass hierbei die Jenaer Darlegung Friedrich Schillers (1789) im Sinne übergreifender "Universal"-Geschichte solche Impulse ausgelöst hat, ist hoffentlich nicht nur für "Ewig-Gestrige" von Bedeutung.

Die für Laufpraktiker/innen maßgeblichen Fakten aus der Lennartz-Vita ließ schließlich Amtsnachfolger Dr. Jürgen Buschmann Revue passieren. Demnach begann der Langlauf-Virus zu wirken mit den Zatopek-Sensationen von 1952. Nachdenklich stimmte mich hierbei das Faktum, dass Ausdauersportler/innen - entgegen bekannten Prophezeiungen - keineswegs den Krankheiten ganz einfach "davonlaufen" könnten. Diese selbstkritische Betrachtung sollte auch von uns demnächst aufgegriffen werden.

Günter Scharf

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