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IGL-Mitglied
Matthias W. fragt: Ich bin Läufer, männlich, 38 J. alt und
habe bereits vier Marathonläufe hinter mir. Meine aktuelle Bestzeit
liegt bei 3:47 h. Jetzt zu meinem aktuellen Problem: Bei meinem letzten
Marathon in Berlin im September 2005 traten bei mir trotz entsprechender
Vorbereitung und auch m.E. passender Ernährung im Vorfeld (als Ergänzung
zwei Wochen vor dem Marathon täglich und regelmäßig auch
6 Tabletten Basica) erhebliche Krämpfe in beiden Beinen ab Kilometer
35 auf. In den drei Marathons davor hatte ich diesbezüglich keinerlei
Probleme. Was sollte ich daher in der Vorbereitung aus Ihrer sportmedizinischen
Sicht besser machen und beachten bzw. welche Mittel sind während
des Laufs einsetzbar, um möglichst ohne Krämpfe durchzukommen?
Als nächster geplanter Wettkampf steht der Köln Marathon im
September an.
Sportarzt
Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Die Tatsache, dass die
Krämpfe zuvor nie, auch nicht während längerer Trainingsläufe,
jetzt aber plötzlich und zudem erst im letzten Viertel Ihres Berlin-Marathons
sowie symmetrisch in beiden Beinen aufgetreten sind, spricht für
mich aus sportmedizinischer Sicht ganz klar gegen ein bestimmtes organisches
Problem, sondern vielmehr für eine funktionelle Ursache. Folgerichtig
bietet sich bei Ihnen folgendes Vorgehen an:
- Qualität der
Flüssigkeitsversorgung Jeden Tag aufs Neue sollten Sie sich wässern,
wässern und nochmals wässern und zwar gerade auch im normalen
Alltag. Dies gilt natürlich gleichermaßen für Alltagsbürger
wie für Marathonis. Das heißt jetzt konkret für Sie
konsequent jeden Tag ca. 2.5 Liter über den Tag verteilt, zusätzlich
zu Ihren Getränken zum Essen und der Flüssigkeitszufuhr nach
Ihren Trainingsläufen. Die meisten LäuferInnen und Marathonis
unterschätzen hier den individuellen Flüssigkeitsbedarf unter
Alltagsbedingungen wie im Sport. Eine praxisgerechte und einfach durchführbare
Möglichkeit, den wahren Flüssigkeitsverlust nach Training/Wettkampf
zu objektivieren, besteht im Wiegen vor und nach der sportlichen
Betätigung. Eingerechnet das Oxidationswasser sowie Ihrer getätigten
Flüssigkeitszufuhr sollten Sie unmittelbar nach der Ultra-Belastung
maximal 1 kg "leichter" sein. Auch die Farbe des Morgen-Urins
am nächsten Tag gibt hier recht gute Hinweise und zwar bedeutet
eine tief goldgelbe Farbe ein nach wie vor vorhandenes Flüssigkeitsdefizit.
Eventuell haben Sie ja auch die Möglichkeit, sich am Tag nach der
Belastung Ihren Kreatinin-Wert im Blut bestimmen zu lassen. Der Wert
sollte in Ihrem Alter maximal 1.0 mg % betragen.
- Die Beherzigung
der bekannten Trink-Empfehlungen während des Marathon-Wettkampfs
(frühzeitig mit dem Trinken beginnen, nicht auf den Eintritt des
Durstgefühls warten etc.) setze ich bei Ihnen als bekannt voraus.
Nochmals kurz zu Berlin: Bitte reflektieren Sie die Durchschnittstemperatur
und die Sonneneinstrahlung an diesem Septembertag des Jahres 2005 mit
den Gegebenheiten bei den drei Marathons davor. Vielleicht haben Sie
in Berlin auch nur den Flüssigkeitsbedarf unterschätzt, was
ich aber als einzigen Kausalfaktor für Ihr Problem nicht annehme.
- Ich möchte
daher den Fokus neben dem reinen Wasserbedarf auch auf die Wichtigkeit
der Versorgung mit den richtigen Mineralien lenken. Bezüglich.
einer effektiven Krampfprophylaxe sind hier vor allem Magnesium UND
Kalium entscheidend. Wichtige Magnesium-Spender sind jetzt einmal
alle Grünpflanzen und Salat, dann Hülsenfrüchte (hierher
gehören auch Soja und Erdnüsse), Fenchel, Wildreis, alle Pseudo-Getreide
(Buchweizen, Amaranth, Quinoa - nicht umsonst enthält das Doktor
Ziegler-Fitness-Brot speziell diese Sorten), dann alle Nuss-Sorten,
Sonnenblumenkerne, Kakao und natürlich die richtigen Mineralwässer.
Sportlergerechte Mineralwässer enthalten als Minimum 80 Milligramm
Magnesium pro Liter und ein ideales Kalzium-Magnesium-Verhältnis
von 2 : 1. Hier wäre aus meiner Sicht daher zu denken an Rosbacher
oder Gerolsteiner Mineralwasser. Eine für Sportler akzeptable Kaliumversorgung
wird realisiert über den täglichen Konsum von mindestens
drei Obst-Portionen. Hervorragende Kalium-Lieferanten sind hier
Äpfel, Bananen und Aprikosen und frisch gepresste Säfte oder
Direktsäfte aus der Flasche. Wenn Sie aus zeitlichen Gründen
nicht zum regelmäßigen Obsteinkauf kommen sollten, greifen
Sie doch zusätzlich auf die hervorragende Trockenfrüchte-Palette
der Fa. Seeberger zurück, erhältlich in fast jedem
Supermarkt. Wichtig: Das von Ihnen angesprochene Präparat
Basica enthält in seiner ursprünglichen Zusammensetzung nur
Spurenelemente und damit kein Magnesium und auch kein Kalium. Zur Prophylaxe
würde ich in Ihrem Falle bis 1 Woche vor Ihrem geplanten Start
zusätzlich noch 3 x 2 Tabletten Tromcardin®forte empfehlen,
ein Präparat, das in idealer Zusammensetzung Magnesium und Kalium
enthält. Immer gilt es natürlich auch Ihr Alkohol- und Koffein-Quantum
zu hinterfragen, beide bekanntermaßen "gefährliche Magnesium-Räuber".
Bei regelmäßig mehr als 2 Tassen Kaffee, Espresso oder Schwarz-
bzw. Grün-Tee muss als MarathonläuferIn die Magnesium-
und Kalium-Zufuhr gezielt angepasst werden.
- Flexibilität
und Verformbarkeit der Gefäßwände und der Blutzellen
(v.a. Erythrocyten = rote Blutkörperchen = Sauerstofftransport-Träger).
Schweißverlust-bedingt wird der Blut- und Sauerstoff-Transport
speziell in den kleinsten Gefäßen (Kapillaren) der Muskulatur
im Verlaufe eines Marathons immer schwieriger, je ausgeprägter
der Flüssigkeitsverlust im Vergleich zum Nachfüllen ist. Entsprechend
bedeutsam ist aber jetzt natürlich auch die Nachgiebigkeit und
Flexibilität der Membranen Ihrer Gefäßwände und
Blutzellen, die darüber entscheiden, wie gut die Sauerstoffabgabe
auch noch unter erschwerten Bedingungen klappt. Dazu unerlässlich
ist die regelmäßige Versorgung mit den sogenannten langkettigen
Omega-3-Fettsäuren. Hierzu unerlässlich sind regelmäßig
zwei Fischportionen pro Woche und zwar möglichst fetter
Fisch (Wildlachs, Atlantik-Hering, Sardine, Sardelle, Makrele, Thunfisch,
auch aus der Dose, dann aber im eigenen Saft oder nur in Olivenöl
und nicht in Sonnenblumenöl eingelegt). Falls Sie ein "renitenter
Fischmuffel" sind, bietet die Zufuhr isolierter Omega-3-Fettsäuren
in Form von wohlschmeckendem Pulver (Biomol Omega-3® Pulver)
qualifizierte Abhilfe. In der Apotheke erhältlich sind die Geschmacksrichtungen
Ananas und Nuss Karamel. Einfach 3 x täglich bis zum Marathonstart
in Säften, Trink-Joghurt oder Milch auflösen und trinken.
So bleibt Ihnen auch das unangenehm-fischige Aufstoßen erspart,
das Ihnen oftmals bei der Einnahme der bekannten Fischöl-Kapseln
blühen kann.
- Sofern Sie keine
Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt haben, wovon ich zunächst einmal
ausgehe, bietet sich zusätzlich und einmalig am Vorabend
vor dem Marathonstart 1 Tablette Aspirin plus C® an, die
Sie als Brausetablette nach dem Abendessen mit stillem Wasser einnehmen
können. Der Inhaltsstoff sorgt für gezielte Vorbeugung hinsichtlich
einer ungewollt ausgeprägten Zusammenball-Tendenz der sogenannten
Blutplättchen (Thrombozyten), wodurch Ihre problematische Krampfneigung
über einen weiteren pharmakologischen Effekt prophylaktisch angegangen
werden kann. Bezüglich der persönlichen Verträglichkeit
sollten Sie aber auf alle Fälle einen Test machen, also
Einnahme einer 1 Tablette Aspirin plus C-Brausetablette, z.B. am Vorabend
eine 2 bis 3-Stunden Laufs, den die meisten Marathonis ja aus organisatorischen
Gründen auf einen Samstag- oder Sonntagvormittag legen müssen.
- Bei Ihrer sportlichen
Belastung sollten Sie regelmäßig an einen Labor-Check denken
und regelmäßig v.a. überwachen: Kleines Blutbild, BSG,
Blutzucker, Gesamt-Eiweiß, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure,
TSH, Selen und Homocystein.
Ja, dann viel Erfolg
beim Umsetzen und einen erfolgreichen Marathon-Auftritt wünscht Ihnen
Ihr
Dr. Ziegler
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