Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

[zurück...]

Sportmedizin-Tipps

 

 

 

Leser-Forum: "PUF Imbalance"

IGL-Mitglied Beate Sch. fragt: Im Rahmen eines Ernährungskongresses in Aachen habe ich Sie als Referent erlebt. Im Prinzip ist das Thema Omega-3-Fettsäuren und Diabetes natürlich immer ein wichtiges Thema, das aber beim Gros unseres Patienten (ich bin Diabetes-Ernährungsberaterin) selten hinterfragt wird. Wir sind ja meist schon froh, wenn die älteren Leute wissen, wo Kohlenhydrate drin sind und was sie ungefähr essen sollen, um ihren Blutzucker zu verbessern. Im Rahmen der Schulung wird natürlich auf die richtige Fettauswahl und die Wichtigkeit von Fisch eingegangen. Könnten Sie daher bitte das Thema Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren nochmals kurz streifen und dann auch noch etwas zur Fettsäuren-Relation in Fleisch- und Wurstwaren sowie in Milch und Milchprodukten sagen, je nachdem womit die Schlachttiere gefüttert werden.
Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

  • Die Ihrerseits angeschnittene Proportion von früher 2 - 3:1 im Vgl. zum heute in der Industriekost üblichen Relation von über 25:1 bezieht sich ausschließlich auf die quantitative Relation der biochemisch hochaktiven langkettigen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren) und nicht auf die Fettsäurenverteilung generell. In allen tierischen Produkten aus Legebatterien, Zuchtfarmen und Mastbetrieben findet sich diese auf Dauer krankmachende ungünstig hohe Relation, bedingt durch den Reichtum an Linolsäure (= eine mittelkettige Omega-6-Fettsäure) im Futtergetreide. Da die Stall- und Zuchttiere gleichzeitig kein bzw. kaum Grünfutter erhalten, das wiederum reich an mittelkettiger Omega-3-Fettsäure wäre (Alpha-Linolensäure), wird die hohe Konzentration an Arachidonsäure plausibel, einer langkettigen Omega-6-Fettsäure, die im tierischen Organismus aus Linolsäure gebildet und dort dann auch in dessen Membranen und Organellen eingebaut wird. Parallel kommt es beim Mast- & Zuchttier (auch Zuchtfisch & Geflügel) zu einer massiv reduzierten Synthese von langkettiger Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA), da ein ausreichendes Angebot an Alpha-Linolensäure im Mastfutter nicht gegeben ist. Damit fehlt der hormonell-funktionelle Gegenspieler zu Arachidonsäure & gesundheitliche Katastrophe nimmt ihren Lauf. Das bedeutet dann konkret:

  1. Verstärkte Entzündungsneigung, was unter sportlichen Gesichtspunkten eine künstlich verlängerte Regeneration und erhöhte Schmerzneigung bedeutet,

  2. Gesteigerte allergische Disposition,

  3. Disposition zu erhöhtem Blutdruck und verstärkter Gerinnungsneigung sowie krankhaft gesteigerter Neigung zu Herzrhythmusstörungen

  • Außerdem ist Stall- & Zuchtfleisch stets viel fetter als Wildfleisch, da analog zum Menschen auch beim Tier bei Missverhältnis zw. Kalorienangebot und Kalorienverbrauch das energetische Zuviel als Fett in der Unterhaut, im Fettgewebe, in der Muskulatur und beim Mann vor allem in der freien Bauchhöhle abgelagert wird. Da das Kalorienangebot in erster Linie aus Stärke besteht, besteht das Fettdepot dann automatisch in erster Linie aus gesättigten Fettsäuren, die als Triglyzeride abgelagert werden und viel schwieriger in den normalen Verbrennungsprozess eingeschleust werden können („sperriges“ Molekül) als z.B. einfach ungesättigte Fettsäuren.


Ihr
Dr. Ziegler

[zurück...]