Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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IGL-Läuferin Helga Winkenbach organisierte den 1. Satonévri-Lauf - Überschäumende Begeisterung in Viernheims afrikanischer Partnerstadt

 

von Hans Todt

Viernheim. Zwischen der Stadt Viernheim und Satonévri in Burkina Faso in Afrika besteht seit vielen Jahren eine gut funktionierende Partnerschaft. Burkina Faso liegt südlich der Sahara und ist eines der ärmsten Länder der Welt. Nur wer Gelegenheit hat, eine Schule zu besuchen, spricht französisch. Die Mehrzahl der Bevölkerung spricht verschiedene Stammessprachen.
Die Verbesserung der Infrastruktur Satonévris, der Ausbau der Wasserversorgung, die Förderung der Schul- und Berufsausbildung und Hilfsmaßnahmen zur Selbsthilfe werden nachhaltig vom Viernheimer Partnerschaftsverein "Focus" gefördert, in welchem die Viernheimer IGL-Läuferin Helga Winkenbach aktiv mitarbeitet. Sie pflegt im besonderen die Kontakte zu Lehrern der Schule in Satonévri.

Aufnahme vom Start des 1. Satonnévri-Laufs.

Bei einem Besuch vor zwei Jahren berichtete sie den afrikanischen Freunden von der Viernheimer IGL, von ihren Marathonläufen und absolvierte mit den Lehrern einen 10 km-Lauf. Hierbei wurde die Idee geboren, in 2006 einen Lauf für Erwachsene, Jugendliche und Kinder zu veranstalten. Für diesen Start traf Helga Winkenbach in Viernheim schon Monate zuvor umfangreiche Vorbereitungen. Sie sammelte bei befreundeten Läuferinnen und Läufern Startnummern, Sicherheitsnadeln, T-Hirts, Pokale, Medaillen, Absperrband, Stoppuhren und weitere Laufutensilien.

Das alles war im Gepäck, als sie mit einer Viernheimer Delegation im Februar nach Satonévri flog. In dem Besuchsprogramm wurde der gesamte Sonntag für den 1. Satonévri-Lauf eingeplant, den auch die afrikanischen Gastgeber mit Spannung erwarteten. Schon Tage vorher hat man die Pokale auf einem kleinen Tisch zur Schau gestellt. Der Rektor der Schule zeigte den Kindern diese Trophäen und forderte sie auf, vollzählig an dem Lauf teilzunehmen. Die Viernheimer hingen selbstgemalte Plakate auf. Einer der afrikanischen Betreuer bat darum, eine Verstärkeranlage besorgen zu dürfen. Die Viernheimer Gäste übernahmen die Bezahlung. In den Schulen trugen sich die Kinder in die Meldelisten ein.

Voller Einsatz bei den Kindern, bei denen die meisten barfuß liefen. Eine mächtige Staubwolke begleitete sie.

Die Spannung stieg von Tag zu Tag. Dann trafen die Organisatoren am Vorabend die letzten Vorbereitungen. Bei der quälenden Hitze mit einer Temperatur von 45 Grad war ein Lauf über 10 km nicht möglich. Die Menschen sind dort wohl meist zu Fuß unterwegs, doch im Ausdauerlauf haben sie keine Übung. So legte man eine Strecke von knapp 3 Kilometern fest, und zwar für zwei getrennte Starts: Zuerst die Jugendlichen und Erwachsenen, dann die Kinder.

Schon um 7,00 Uhr morgens haben die Betreuer die Laufstrecke markiert. Dazu streute man mit Asche Richtungspfeiler auf den Boden. An einer Feuerstelle unterwegs wurde erneut Asche mitgenommen, um den Rest der Laufstrecke zu markieren. Um ganz sicher zu gehen, sollte ein Radfahrer den Läufern den richtigen Weg zeigen. Ganz wichtig war die Einrichtung einer Wasserausgabe, für die ein Tisch bereitgestellt wurde.
Dann kamen bereits die ersten Kinder, von denen viele einen Fußweg von 2 km zur Laufstrecke zurücklegen mussten. 40 Schüler haben sich in die Teilnehmerliste eingetragen. Immer mehr Menschen versammelten sich. Das Ausfüllen der Listen wurde schließlich unmöglich, weil die afrikanischen Namen nur schwer zu verstehen waren. Doch zum Schluss hatte jeder eine Laufnummer. Über 200 Laufnummern waren es insgesamt.
Dann war es so weit! Der Startschuss aus einem Gewehr - der 1. Satonévri-Lauf hatte begonnen. Viele liefen barfuß, manche in Badeschlappen, selten sah man Turnschuhe, dafür aber eine riesige Staubwolke, die hinter den Läufern aufwirbelte. Helga Winkenbach lief mit einer Lehrerein. Sie waren die beiden einzigen Frauen, die am Lauf teilnahmen. Obwohl die Lehrerin aus Satonévri schwächelte, schaffte es Helga Winkenbach, sie unbeschadet ins Ziel zu bringen. Helga ließ sich zuletzt noch einen Schritt zurückfallen, so dass ihre Laufgefährtin in der Frauenwertung Siegerin wurde. Da spielte es keine Rolle mehr, dass der Sieger bei den Männern nur die halbe Zeit des Damenlaufs benötigte. (Helga Winkenbach kannte solche Kuriositäten auch bei Marathonläufen).

Stolz zeigt diese Siegerin ihren Pokal. Bilder: Winkenbach

Das Siegerpodest war ein Stuhl. Links und rechts standen die Teilnehmer auf den Plätzen 2 und 3. Die Sieger erhielten einen Pokal, die Läufer auf Platz 2 und 3 eine Medaille. Niemand ging leer aus, denn alle Finisher wurden mit einem Präsent (T-Shirt, Kappe, Trinkflasche) belohnt. Der Lauf löste eine Welle der Begeisterung aus, den ganzen Tag und die ganze Nacht wurde gefeiert. Noch am nächsten Tagt sah man Kinder mit ihren Laufnummern oder mit Stecknadeln. Auch in der Umgebung war der Lauf das Tagesgespräch. Sogar aus der Kreisstadt fragte man nach, warum man sie nicht eingeladen hätte.

Inzwischen kam bei Helga Winkenbach Post aus Satonévri an. In einem Brief heißt es: "Wir haben Partnerschaft gelebt, etwas gemeinsam gemacht, Sport verbindet eben!" Und da man sich in Afrika schon jetzt auf den 2. Satonévri-Lauf freut, fängt Helga Winkenbach wieder an, Medaillen, Pokale und Laufnummern zu sammeln.



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