![]() |
Die
Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
|
|||||
|
|
Mitgliederportraits |
|
||||
|
Edmund Schlösser - Globetrotter in Laufschuhen |
||||||
|
Es gibt kaum einen Ort, an dem Edmund Schlösser noch keine Spuren im Sande der internationalen Laufstrecken hinterlassen hat. Durch die Täler der Schweiz, die schottischen Highlands oder die rumänischen Wälder; durch Holland, England, Ungarn ist er gelaufen. Der nun 65jährige meisterte läuferisch die schweißtreibenden Temperaturen Marokkos, Tunesiens, Brasiliens und Argentiniens. Die USA, Kanada, Kuba und Puerto Rico bezwang Edmund Schlösser mit seinen Laufschuhen ebenso wie den fernen Osten: Er lief in Korea, in Japan umrundete er den Kawaguchi-See am Fuße des Fujijama, in China ging es über die große Mauer. Keine Frage, dass auch die klassischste aller Strecken auf seinem Laufkonto nicht fehlen darf: Die Marathonstrecke von der Ostküste des alten Attika bis zur griechischen Hauptstadt Athen! Doch bis es so weit ist, quält er sich bis zu seinem 34. Lebensjahr mit verschiedenen Krankheiten herum. Rheuma, Migräne, alle möglichen Allergien, Neurodermitis und Bronchitis machen ihm schwer zu schaffen. Auch das Wort Sport kennt er bis zu diesem Zeitpunkt nur aus der Zeitung. Erst ein kleines Buch mit der praktischen Anleitung zur Steigerung der Leistungsfähigkeit mit dem Titel "Bewegungstraining" des Astronautentrainers Dr. med. Cooper weckt 1971 sein Interesse und verändert letztlich auch sein Leben. Zunächst studiert er dieses Buch. Edmund Schlösser erinnert sich: "Vieles leuchtete mir ein und ich probierte die Trainingsmethode aus. Doch die erste Laufprobe schockierte mich, da ich nur 300 Meter weit kam. Die Zunge hing mir aus dem Hals." Trotzdem gibt er nicht auf und beginnt, regelmäßig zu trainieren. Bereits nach einer Woche schafft er 600 Meter, nach zwei Wochen bereits über einen Kilometer. "Von nun an ging´s bergauf!", erzählt er. Seinen ersten Start ins spätere Läuferleben wagt Edmund Schlösser, der aus gesundheitlichen Gründen langsam auf vegetarische Ernährung übergeht, 1972 bei einem Volkslauf am Möhnesee über fünf Kilometer. Edmund Schlösser: "Das Ziel wurde erreicht und ich freute mich ungemein. Auch den nächsten Lauf über zehn Kilometer überstand ich sehr gut." Die Freude am Laufen hat ihn gepackt und die Strecken werden immer länger. Er steigert sich über die Halbmarathon-Distanz, bis hin zum Marathon in Gießen, den er trotz seiner gesundheitlichen Probleme in 3:15:52 Stunden läuft. Nun packt ihn der
Ehrgeiz. In unzähligen Ländern geht er an den Start und nimmt
an vielen Freundschaftsläufen teil. Besonders gern erinnert sich
Edmund Schlösser an den klassischen Lauf von Marathon nach Athen:
"Nach meinem Zieleinlauf ins Olympiastadion war ich mächtig
stolz bei 36 Grad Celsius das Ziel erreicht zu haben." 1975 geht
es mit der IGÄL (heute IGL) unter der Leitung von Arthur Lambert
zu den 8. Weltbestenkämpfen für Veteranen nach Japan. Die zweite
Reise nach Japan folgt 1982. "Dort gab es so viel Regen, dass unser
Siegeressen im Hochwasser schwamm" erinnert sich Edmund Schlösser
schmunzelnd. Bei einem Lauf in Kuba wohnt er mit Lauffreunden in einem
Haus, das einmal dem berühmt-berüchtigten Gangsterboss Al Capone
gehörte. Die gesundheitlichen Probleme sind durch den Sport natürlich nicht völlig verschwunden, allerdings sieht Erdmund Schlösser zuversichtlich in die Zukunft. Mit Hinweis auf das Buch von Dr. Ernst van Aaken "Programmiert für 100 Lebensjahre" gibt er - der seit 1974 der IGL angehört und 1999 mit der IGL-Jubiläumsnadel ausgezeichnet wurde - scherzend zu: "Ich würde schon gerne bis 100 geistig und körperlich beweglich bleiben, mit oder ohne Volksläufe; jedoch müsste man dann auf jeden Fall die Altersklassen-Einteilung bis 100 erweitern." Dann zitiert er einen Ausspruch unseres sehr verehrten Dr. van Aaken, der einmal anlässlich eines Paderborner Osterlaufes gesagt hat: "Es kommt nicht so sehr auf die Zeit an, die ein Läufer läuft. Jeder, der das Ziel erreicht, ist ein Held." Und nach dieser Devise möchte Edmund Schlösser sein weiteres Läuferleben gestalten. Mit einer Lebensweisheit Albert Einsteins erklärt er: "Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings." Lieber Edmund Schlösser, wir wünschen Dir, dass Du noch bis 100 über die Pisten dieser Welt donnern kannst. Georg Reinmuth
|
||||||
| [zurück...] | ||||||