Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

 

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Wolfgang W. Schüler - Sozialpädagogische Intervention durch Sport

 

Als Wolfgang W. Schüler das erste Mal an einem Volkslauf teilnimmt, ist er gerade einmal neun Jahre alt. Vom Vater kurzerhand beim Wettkampf angemeldet, empfindet der Wiesbadener die für sein Alter vorgegebene Laufdistanz von tausend Metern als zu kurz, zu schnell. Selbstbewusst entschließt er sich, längere Strecken in Angriff zu nehmen. Trotz der nachdenklichen und tadelnden Blicke einiger Lauf-Veranstalter mischt Schüler sich selbstbewusst unter die erwachsenen Wettkämpfer - und fühlt sich spontan bestätigt: Mit dem Mittelfeld kann er locker mithalten; oft überquert er die Ziellinie sogar eher als das Hauptfeld. Nur wenige Jahre später meistert Wolfgang W. Schüler als Jugendlicher erstmals die magische Distanz: Einen Marathon!


Zurückblickend bewertet der nunmehr 45jährige den Einstieg ins Sportlerleben als einen wichtigen Schritt in seiner persönlichen Entwicklung: "Regelmäßig ausdauernd und genügend intensiv zu laufen empfand ich als eine effektive Methode, um mich körperlicher und mentaler Fähigkeiten zu vergewissern und diese schrittweise auszubauen", erinnert er sich. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, und obendrein Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit. "Objektiv betrachtet", so meint Wolfgang W. Schüler, sei damit ein "intensiver Prozess der Selbsterziehung" in Gang gesetzt worden. Von dieser Erkenntnis profitiert er nicht nur sportlich - in den folgenden Jahren entdeckt der Diplom-Sozialpädagoge immer mehr, wie sinnvoll er den Ausdauersport mit seinem Beruf in Verbindung bringen kann.


Als Wolfgang W. Schüler in einem Heim für verhaltensauffällige Kinder arbeitet, bemerkt er, wie leicht die jungen Menschen für den Ausdauersport zu begeistern sind - und noch wichtiger: dass der Sport die Kinder bei der Überwindung ihrer Verhaltensdefizite bekräftigt. Der Laufsport als nutzbringendes Erziehungsmittel? Überzeugt von den therapeutischen Möglichkeiten des Laufens fängt Wolfgang W. Schüler an zu forschen: In der Praxis animiert er die Jugendlichen zum Sport, für den theoretischen Unterbau durchforstet er die Fachliteratur nach Hinweisen auf mögliche Therapiemöglichkeiten. Und tatsächlich: Einige der auffälligen Verhaltensweisen der Kinder sind am Ende des Laufprogramms deutlich abgeschwächt, andere sind vollkommen verschwunden! Im Jahr 1991 legt Schüler mit "Sozialpädagogische Intervention durch Sport" die erste deutschsprachige Forschungsarbeit vor, die sich intensiv mit der Erziehungsrelevanz des Dauerlaufs beschäftigt. Später entwickelt er seinen pädagogischen Ansatz zu einem therapeutischen weiter: "Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen" (Oberhaching 1996) heißt seine Arbeit, mit der er den Grundstein für eine intensive Beschäftigung mit dem Laufsport unter therapeutischen Vorzeichen legt.

Als Dozent beim Deutschen Lauftherapiezentrum in Bad Lippspringe kann Wolfgang W. Schüler mit dem Lehrgebiet "Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen" weitere Forschungen anstellen, zusätzlich bietet er Seminare und Workshops zum Thema an und publiziert Artikel. Doch auch seine sportlichen Erfolge können sich sehen lassen: Die 25 Kilometer in 1:36:39 Std.; Marathonbestzeit: 2:56:49 Std.; 100-Kilometer Ultramärsche - Wolfgang W. Schüler legt tausende von Kilometern im Laufschritt zurück, ohne jedoch sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren: Gesund bleiben - durch den Ausdauersport!

Lieber Sportfreund Wolfgang W. Schüler, die IGL wünscht Dir auch weiterhin viel Erfolg und hofft, dass viele Jugendliche und Kinder von Deiner Arbeit profitieren.

M. Reinmuth

 

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