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IGL-Mitglied
Wolfgang G. fragt: Seit ca. einem Jahr stelle ich beim Laufen extremes
Schwitzen fest. So verliere ich bei einem Lauf von ca. 1.5 Stunden etwa
2 Kilo. Dies bedeutet, dass ich beim Absolvieren von Halb- bzw. Marathon-Läufen
zu Krämpfen neige, da ich den Verlust von Mineralien nicht mehr ausgleichen
kann. Eine ärztliche Untersuchung hat ergeben, dass Herz und Schilddrüsenfunktion
in Ordnung sind. Probleme habe ich jedoch mit dem Atmen wg. Pollenallergie.
Kann das Schwitzen mit der Aufnahme von zu wenig Sauerstoff
in Verbindung gebracht werden? Mein körperlicher Zustand ist gut.
Bin ca. 180 cm groß und wiege ca. 78 kg bei stark ausgeprägter
Muskulatur bei einem Alter von 52 Jahren. Vielleicht haben Sie einen Tipp
parat, wie ich das extreme Schwitzen in den Griff bekommen könnte.
Für Ihre Mühe bedanke ich mich im voraus ganz herzlich.
Sportarzt Dr. med.
R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Vorneweg der grundsätzliche
Hinweis, dass aus meiner fachärztlichen Sicht in keinem Fall ein
Zusammenhang hergestellt werden kann zwischen Ihrer hohen Schweißsekretion
und möglichen Defiziten bei der Sauerstoffaufnahme in der Lunge.
Wäre dies ein vordringliches Problem für Sie, stünden ganz
andere Symptome im Vordergrund. Eher sollte daher bei Ihnen in folgende
Richtungen gedacht werden, zumal ja die Symptomatik relativ neu aufgetreten
ist:
- Vermehrtes Schwitzen
als Teil einer allgemeinen Stress-Reaktion im Zusammenhang mit einem
chronisch hohen persönlichen Belastungsprofil. Hierzu würden
weitere Symptome passen wie z.B. Schlafstörungen, leichte Reizbarkeit,
Potenz- und Verdauungsstörungen, veränderter Appetit, auffällige
Gewichtsschwankungen im letzten halben bis ganzen Jahr und natürlich
auch vermehrte Schweißneigung unter Alltagsbedingungen, was die
Mineraliendefizit-Situation dann noch weiter akzentuieren würde.
In diesem Zusammenhang interessant wären z.B. auch der Verlauf
Ihres Morgenpulses (gemessen im Liegen und gleich nach dem Aufwachen)
sowie auch der Ruhepuls (gemessen im Sitzen in körperlicher
Ruhe), möglichst im Vergleich zu evtl. vorhandenen Vorwerten. Zu
Ihrer Orientierung: Der Morgenpuls sollte bei Ihrer ja offensichtlich
vorhandenen Grundlagen-Ausdauer zumindest unter 60 Schlägen pro
Minute angesiedelt sein und der Ruhepuls unter 70. Kurz noch das Eingehen
auf Ihre Körperfett-Relation: Sie geben bei einer Körpergröße
von 1.80 m ein Körpergewicht von 78 kg an. Wie hoch ist dabei Ihr
Körperfett-Anteil? Sollte dieser über 18 % Ihrer Gesamtkörpermasse
liegen, könnte man auch hierin zumindest einen Teilaspekt für
Ihre auffällig vermehrte Schwitzneigung vermuten. Allerdings kann
ich mir bei einem Halb- & Marathon-Läufer kaum eine drastische
Körperfett-Zunahme innerhalb von ca. 12 Monaten vorstellen.
- Vermehrtes Schwitzen
als Begleitsymptom eines erhöhten Blutdrucks: Sie hatten zwar
erwähnt, dass Ihr Herz untersucht worden sei (mittels Ultraschall
?), aber Sie gingen nicht auf Ihren Blutdruck ein. Als regelmäßiger
Läufer sollte Ihr Blutdruck in körperlicher Ruhe bekanntlich
unter 130/80 mm Hg liegen, gemessen am besten am Oberarm mittels Blutdruckmanschette
und Stethoskop. Sollte der Wert größer als 140/80 mm Hg sein,
wäre unbedingt eine 24-stdg. automatische Blutdruckmessung zu empfehlen.
Speziell sollte dann darauf geachtet werden, ob ein deutlicher Abfall
beider Werte zwischen 24 und 5 Uhr eintritt. Ist dies nicht der Fall,
müssen v.a. die Nieren und Nebennieren einer genaueren medizinischen
Prüfung unterzogen werden. Unabhängig davon sollten Sie in
Ihrem Alter alle 2 - 3 Jahre auch Ihren Augen-Innendruck bestimmen lassen.
- Vermehrtes Schwitzen
im Zusammenhang mit reichlich Fleischgenuss: Die Verdauung speziell
von tierischem Eiweiß geht mit einer erhöhten Wärmeproduktion
einher (so genannter thermogenetischer Effekt). Da Sie über Ihre
Ernährungsgewohnheiten nichts haben verlauten lassen und falls
Sie zu den "fleischfressenden Lebewesen" gehören, die
quasi täglich Wurst, Schinken, Fleisch oder Geflügel verzehren,
reduzieren Sie bitte den Verzehr von tierischem Eiweiß auf zweimal
pro Woche. Eine gesunde Alternative besteht dann in hochwertigen pflanzlichen
Eiweißquellen wie Weizenkeime, Spirulina-platensis-Algen, Hülsenfrüchten
(Soja & Erdnüsse gehören ebenfalls hierher), Amaranth,
Pilzen, Molke, Haferflocken und Nüssen. 2 - 3 Wochen später
müsste sich bzgl. der Schweißneigung etwas zum Besseren getan
haben, falls hier ein Zusammenhang besteht. Gleichzeitig sorgen Sie
mit dieser Ernährungsgewichtung für eine gezielt hohe Mineralien-Zufuhr.
Sollten Sie täglich Alkohol trinken, wäre auch dies ein nicht
zu unterschätzender Faktor für eine unangenehm vermehrte Schweißneigung.
- Weiterhin sollte
bei Ihnen in keinem Falle der schweißbedingt offensichtlich hohe
Mineralienverlust einfach hingenommen werden, zumal Sie ja bereits über
Muskelkrämpfe unter Belastung klagen. Neben Schweiß und
Alkohol ist übrigens auch Koffein in Cola, Kaffee und schwarzem
wie grünem Tee ein nicht zu vernachlässigender Mineralien-Räuber.
Kommen Sie im Tagesverlauf auf mehr als 3 Tassen, müssen Sie Mineralien
ersetzen. Am elegantesten geschieht dies, indem Sie zu jeder Tasse Kaffee
jeweils etwa 0.4 l Mineralwasser trinken. Mineralwasser, das seinen
Namen zurecht trägt, sollte ca. 100 mg Magnesium pro Liter enthalten
und das Verhältnis zwischen Kalzium und Magnesium sollte bei
optimaler weise 2:1 zugunsten von Kalzium liegen. Auch wenn nur
1 % des Gesamtmagnesiums des menschlichen Körpers im Blut gelöst
ist, bietet die Magnesiumbestimmung im Blut durchaus eine recht zuverlässige
Richtschnur für die aktuelle Magnesiumversorgungslage, sofern die
Bestimmung nicht unmittelbar nach intensiveren Trainingsbelastungen,
sondern erst nach 1 - 2 Tagen Trainingspause erfolgt. Der dann gemessene
Wert sollte zumindest über 0.75 mmol/l liegen. Des weiteren gilt
es bei Ihnen auch den Kaliumwert im Auge zu behalten, bei Ausdauersportlern
sollte der Wert über 4.0 mmol/l liegen. Zu tiefe Kaliumwerte machen
das Herz anfällig für Herz-Rhythmusstörungen. Aber diesbezgl.
haben Sie ja Entwarnung signalisiert, denn Ihr Herz "sei ja geprüft
und in Ordnung". By this way: Wurde eigentlich Ihre Herzfunktion
und Ihr Herzrhythmus über ein Belastungs-EKG auf einem Fahrrad-Ergometer
überprüft? Sie wissen ja: Altersbezogen sollten Sie zumindest
eine Leistung erbringen, die einer Herzfrequenzhöhe von 150 Schlägen
pro Minute entspricht. Nach Abschluss der Untersuchungen und Entwarnung
bzgl. schwerwiegender Ursachen empfiehlt sich bei Ihnen auf jeden Fall
die routinemäßige und langfristige Einnahme eines bewährten
Kalium-Magnesium- Kombinations-präparates wie Tromcardin forte,
sinnvolle Dosierung: 3 x 2 Dragees für 4 Wochen, daran anschließend
eine Erhaltungsdosis von 2 x 2 Dragees.
- Ja dann toi, toi,
toi, gute Besserung, und auf dass keine dramatischen Befunde bei Ihnen
zum Vorschein kommen!!!
Ihr
Dr. Ziegler
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