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IGL-Mitglied
Holger Sch. aus Lorsch fragt: Kann zu viel Sport auch zu gesundheitlichen
Problemen führen ?
Sportarzt Dr. med.
Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet: Im medizinischen Sinne kann
man Sport als Medikament sehen und begreifen. Daher macht auch hier die
Dosis das Gift. Oder anders formuliert: Sport ist nicht primär gesund,
sondern immer nur so gesund, wie man ihn betreibt. Tägliche körperliche
Aktivität ist ärztlich anzuraten, tägliches intensives
oder stundenlanges Training macht krank und verletzungsanfällig.
Also sollten folgende Vorgaben unbedingt beherzigt werden:
- Kein Trainingsbeginn
in irgendeiner Sportart ohne vorangestellte sorgfältige sportmedizinische
Untersuchung inklusive Labor, Lungenfunktionstest und Belastungs-EKG
unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Spezifika der jeweils
ins Auge gefassten Sportart. Ab dem 35. Lebensjahr sollte daher zumindest
jeder Sport-Einsteiger bzw. Sport-Wiedereinsteiger nicht ohne Untersuchung
in sein zukünftiges Sportler-Leben entlassen werden. Nur so sind
gesundheitliche Gefährdungen durch primär nicht offensichtliche,
aber doch bereits eingetretene Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems,
der Lunge, des Stoffwechsels, der Kniegelenke oder der Wirbelsäule
zu vermeiden.
- Kein intensives
Training oder gar Wettkampf, wenn eine Erkältung oder ein grippaler
Infekt im Anzug sind. Allenfalls lockeres Training im aeroben Bereich
ist bei lokalen Symptomen (Schnupfen, Husten, Heiserkeit) ohne Fieber
erlaubt, d.h. die Körpertemperatur, natürlich im Mund gemessen,
liegt < 38 ° C. Liegt die Temperatur bei 38° C und darüber,
darf überhaupt kein Sport getrieben werden. Ansonsten besteht nicht
geringe Gefährdung für eine Herzmuskelentzündung. Nach
Abklingen des Fiebers sollte frühestens 8 -10 Tage später
wieder mit leistungsorientiertem Training begonnen werden.
- Je nach biologischem
Alter und Ausmaß der beruflich-privaten Beanspruchung sowie auch
unter Berücksichtigung des individuell praktizierten Ernährungs-
und Trinkverhaltens sowie der Qualität des angewendeten Muskelpflegeprogramms
besteht beim Sportler bzw. beim Patienten natürlich eine unterschiedlich
ausgeprägte Belastungsverträglichkeit und ein unterschiedlich
leistungsfähiges Immunsystem. Mehr als drei Infekte oder häufige
muskuläre Verletzungen pro Jahr sind als Alarmsignal zu werten
und müssen umgehend näher abgeklärt werden. Zum Beispiel
sollte auch nach faulen Zähnen oder chronisch entzündete Mandeln
gefahndet werden. Nach dem 50. Lebensjahr geht die aerobe Leistungsfähigkeit
jedes Jahr trotz Training Stück für Stück zurück,
sozusagen der Tribut ans Alt- bzw. Älterwerden. Gerade dem Senior
ist daher ein flankierendes Krafttraining dringend anzuraten, um die
Muskelmasse bei Laune zu halten und so einen effektiven dynamischen
Stütz- und Schutzfaktor wie auch wichtigen Stoffwechsel- und Grundumsatz-Stabilisator
nicht mehr oder weniger einzubüßen.
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